IBM hat die Übernahme von HRL Laboratories abgeschlossen, einem Forschungslabor, das zuvor gemeinsam Boeing und General Motors gehörte. Das Unternehmen teilte am 26. August mit, dass die Expertise von HRL in Silizium-Spin-Qubits und fortschrittlicher Quantensensorik künftig in die Quantenhardware-Roadmap von IBM einfließt. Ziel ist ein fehlertoleranter Quantencomputer bis 2029.
Der Zukauf reiht sich in eine dichte Folge technischer Fortschritte ein. Erst am 19. August hatte IBM einen Meilenstein erreicht, als es erstmals zwei modulare kryogene Systeme zu einer einzigen gekühlten Umgebung zusammenführte – eine Voraussetzung für die Skalierung künftiger fehlertoleranter Quantenprozessoren.
Mit HRL Laboratories sichert sich IBM nun zusätzliches Know-how, das über den bisherigen Ansatz mit supraleitenden Qubits hinausgeht und die Basis für die nächste Technologiegeneration verbreitern soll.
Mainframe-Geschäft bleibt im Fokus
Parallel zur Quantenstrategie treibt IBM sein klassisches Kerngeschäft voran. Auf der Hot-Chips-Konferenz stellte das Unternehmen am 24. August seinen ersten Dual-Architektur-Mainframe-Prozessor vor, der künftige IBM-Z- und LinuxONE-Systeme antreiben soll und nativ sowohl IBM- als auch Arm-Rechenplattformen unterstützt.
Zusätzlich unterzeichnete IBM einen mehrjährigen Vertrag mit Together AI über 240 Millionen Dollar zum Aufbau eines groß angelegten KI-Inferenz-Clusters in der IBM Cloud auf Basis von Nvidia-HGX-B300-Systemen, der ab dem ersten Quartal 2027 verfügbar sein soll.
Diese Vorhaben laufen vor dem Hintergrund einer laufenden rechtlichen Überprüfung. Die Kanzlei Bleichmar Fonti & Auld untersucht weiterhin, ob IBM die Stärke des Ausblicks für das Mainframe-Produkt IBM Z vor dem Kurseinbruch von 25 Prozent am 14. Juli falsch dargestellt hat. Diese Untersuchung ist seit Wochen bekannt, bleibt jedoch ein Belastungsfaktor für das Anlegervertrauen, während IBM operativ neue Wachstumsfelder erschließt.
Insider-Transaktionen mit gemischten Signalen
Aus den jüngsten Pflichtmitteilungen ergibt sich ein uneinheitliches Bild der Führungsebene. CEO Arvind Krishna erwarb am 27. August 8.375,56 Phantom-Stock-Einheiten zu einem Referenzpreis von 238,79 Dollar im Rahmen des Excess Savings Plan, wodurch sein Bestand auf 28.447,47 Einheiten stieg.
Am 26. August veräußerte Senior Vice President Robert Thomas dagegen 25.000 IBM-Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 230,32 Dollar, was einem Gegenwert von rund 5,76 Millionen Dollar entspricht. Nach der Transaktion hält er noch 47.800,35 Aktien direkt.
Aktie unter Druck, Bewertung fällt
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus technologischem Fortschritt und rechtlicher Unsicherheit in einem angeschlagenen Kursverlauf wider. Die IBM-Aktie notiert aktuell bei 199,96 Euro und hat seit Jahresbeginn 23 Prozent verloren. Damit liegt das Papier rund 32 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 211,94 Euro besteht ein Abstand von 5,7 Prozent nach unten, was die anhaltende Schwäche der vergangenen Wochen unterstreicht.
Neben den Kernthemen Quantencomputing und Mainframe-Infrastruktur setzt IBM auch auf Sichtbarkeit im Konsumentenbereich: Gemeinsam mit der United States Tennis Association fungiert der Konzern vom 23. August bis 13. September als digitaler Transformationspartner des US Open und liefert KI-gestützte Einblicke wie die neue Kennzahl „Serve Quality“ sowie einen erweiterten „Match Chat“-Assistenten auf Basis von watsonx.
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