Infineon liefert gerade eine der klareren KI-Geschichten in Europa. Der Konzern verkauft keine Beschleunigerchips, profitiert aber von deren Stromhunger. Genau dieser Punkt zieht neues Analysteninteresse an, während der US-Chipsektor wackelt.
Deutsche Bank sieht mehr Potenzial
Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für Infineon von 52 auf 70 Euro angehoben. Die Begründung ist klar: KI-Server brauchen effizientere Stromversorgung und bessere Power-Management-Systeme.
Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet die Bank rund 15 Prozent Umsatzwachstum. Der Gewinn je Aktie soll um etwa 40 Prozent steigen. Das ist eine klare Ansage für einen europäischen Chipwert.
Die These passt zur jüngsten Prognoseanhebung des Unternehmens. Nach einem starken zweiten Quartal rechnet das Management nun mit einer Segmentergebnis-Marge von circa 20 Prozent. Infineon bekommt damit Rückenwind aus einem Bereich, der lange weniger Beachtung fand als reine KI-Chips.
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Der Kurs ist weit gelaufen
Am Freitag schloss die Aktie bei 64,96 Euro, ein Minus von 3,98 Prozent. Auf Wochensicht bleibt ein Plus von 4,59 Prozent. Der Rücksetzer ändert also wenig am starken Momentum.
Die Bewegung hat aber ihren Preis. In den vergangenen 30 Tagen gewann die Aktie 46,04 Prozent. Seit Jahresanfang liegt sie 69,59 Prozent vorn, der RSI steht bei 70,7. Kurz gesagt: Der Markt preist bereits viel Zukunft ein.
US-Chipwerte drücken die Stimmung
Der Sektor liefert zugleich Störgeräusche. Nvidia verlor zuletzt mehr als 4 Prozent, was rund 250 Milliarden US-Dollar Börsenwert kostete. ARM gab 8,5 Prozent nach.
Hinter dem Druck stehen zwei Themen. Zum einen belasten Berichte über regulatorische Hürden im China-Geschäft. Zum anderen läuft eine Debatte über die Nutzungsdauer von KI-Hardware. Investor Michael Burry warnte vor zu optimistischen Annahmen bei Abschreibungen.
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Infineon trifft das nicht eins zu eins. Der Konzern ist breiter aufgestellt und profitiert auch von einer Erholung im Industriegeschäft. Trotzdem hängt die Bewertung derzeit stark an der KI-Infrastruktur-Story.
Nvidia wird zum Stimmungstest
Am Mittwoch, den 20. Mai 2026, legt Nvidia Quartalszahlen vor. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 79 Milliarden US-Dollar. Diese Zahlen dürften auch europäische Halbleiterwerte bewegen.
Weitere Termine können das Bild schärfen:
- Mittwoch: Verbraucherpreise der Eurozone und Zahlen von Analog Devices
- Donnerstag: deutsche Erzeugerpreise und Einkaufsmanagerindizes
- Freitag: deutsche BIP-Daten und ifo-Geschäftsklimaindex
Damit bekommt die Infineon-Rallye schnell ihren nächsten Test. Hält die KI-Server-Story den Nvidia-Zahlen stand, bleibt das Kursziel der Deutschen Bank erreichbar. Enttäuscht der US-Konzern, dürfte zuerst der heiß gelaufene Chart reagieren.
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