Nach einer Kursverordnung in wenigen Monaten notiert die Infineon-Aktie auf dem höchsten Niveau seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs in etwa verdoppelt — ein Tempo, das zunehmend skeptisch stimmt.
Fundamentale und technische Warnsignale
Die Bewertung ist ambitioniert. Für 2026 wird Infineon mit dem rund 60-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, für 2027 liegt das Vielfache bei etwa 35 — Niveaus, die selbst über denen von AMD und Nvidia liegen. Die freie Cashflow-Rendite bleibt vorerst unter einem Prozent und soll bis 2027 auf kaum mehr als 1,5 Prozent steigen. Das limitiert den Spielraum für weitere Bewertungsexpansion erheblich.
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Auch charttechnisch häufen sich die Warnsignale. Der Relative-Stärke-Index liegt auf Tagesbasis bei 76,6 — auf Wochen- und Monatsbasis sogar bei 86,7 beziehungsweise 77,7. Obendrein notiert die Aktie sowohl im Wochen- als auch im Monatschart nahezu vollständig außerhalb der oberen Bollinger Bänder. Bearishe Divergenzen im RSI deuten an, dass der Kursanstieg technisch nicht mehr voll bestätigt wird.
MWB Research dreht auf Verkauf
Passend dazu hat MWB Research sein Kursziel von 58 auf 60 Euro angehoben — und gleichzeitig seine Halteempfehlung gestrichen. Der Analyst erkennt zwar klare Fortschritte: KI-getriebene Stärke überträgt sich auf die Industrieerholung, der Automobilsektor stabilisiert sich, und der Auftragseingang zeigt in die richtige Richtung. Das positive Bild sei aber bereits eingepreist. Das Aufwärtspotenzial hänge nun von weiteren Schätzungsrevisionen und höheren Bewertungsmultiplikatoren ab — beides keine gesicherte Grundlage.
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Der Analystenkonses spiegelt die Zurückhaltung. Der durchschnittliche faire Wert liegt laut Schätzungen bei rund 66 Euro — gut 14 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
Nächste charttechnische Unterstützungen liegen bei den gleitenden Durchschnitten um 51 und 41 Euro sowie dem Ausbruchsniveau zwischen 47 und 48 Euro — ein Rückfall dorthin würde Korrekturen von 33 bis fast 50 Prozent bedeuten. Ob der Kurs diesen Abstand weiter aufbaut oder die Konsolidierung schon jetzt beginnt, wird auch davon abhängen, ob der Sektor seinen KI-Rückenwind behält oder Gewinnmitnahmen die Oberhand gewinnen.
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