Der wachsende Energiehunger künstlicher Intelligenz entwickelt sich für den Halbleiterhersteller Infineon zu einem zentralen Geschäftsfeld. Bei der Ausrüstung moderner Serverfarmen rückt die effiziente Stromumwandlung zunehmend in den Mittelpunkt. Das Management des Konzerns hatte auf einer Investorenkonferenz am 1. Oktober mitgeteilt, dass sich die KI-bezogenen Erlöse im laufenden Geschäftsjahr mehr als verdoppelt haben.
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem Leistungshalbleiter auf Basis von Siliziumkarbid. Infineon kooperiert hierbei unter anderem mit dem US-Konzern Eaton. Die Münchner liefern Komponenten für Eatons Plattform MVSST 2.0, ein System für Mittelspannungs-Festkörpertransformatoren. Diese Architektur zielt darauf ab, Strom in Rechenzentren effizienter umzuwandeln und unterstützt Gleichstromnetze mit Spannungen von bis zu 800 Volt.
Kapazitätsaufbau und gezielte Verstärkung
Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, baut das Unternehmen zugleich seine globale Fertigungsinfrastruktur aus. Am 1. Oktober eröffnete Infineon gemeinsam mit dem thailändischen Premierminister Anutin Charnvirakul einen neuen Backend-Fertigungsstandort in Bangkok. Die Fabrik beschäftigt derzeit rund 350 Fachkräfte. Mit dem vollständigen Hochlauf des ersten Gebäudes soll die Belegschaft dort auf etwa 1.000 Beschäftigte anwachsen.
Flankiert wird dieser Ausbau durch gezielte Akquisitionen: Mit dem Zukauf von C2i Semiconductors in Bengaluru stärkte der Konzern die eigene Power Systems Division. Das dortige Entwicklungsteam steuert spezielles Know-how für Energieversorgungslösungen in Rechenzentren bei. Analysten bewerten die Perspektiven des Halbleiterherstellers derweil positiv. Das Analysehaus Jefferies setzte am 30. September ein Kursziel von 96,00 Euro für die Aktie an.
Makroökonomische Faktoren belasten den Kurs
An den Finanzmärkten sorgte der globale Branchentrend zuletzt für spürbare Ausschläge. Positive Quartalszahlen des US-Konzerns Micron Technology hatten den gesamten europäischen Halbleitersektor zunächst beflügelt.
Zu Beginn der neuen Handelswoche gerieten Chiptitel jedoch wieder unter Verkaufsdruck. Marktbeobachter verwiesen dabei auf übergeordnete Belastungsfaktoren wie steigende Anleiherenditen, anziehende Ölpreise sowie Inflationssorgen in der Eurozone.
Unternehmensspezifische Negativnachrichten lagen diesem Rücksetzer nicht zugrunde. Am gestrigen Montag gab der Kurs um 1,2 Prozent nach und beendete den Handelstag bei 63,85 Euro. Trotz der jüngsten Schwankungen im Technologiesektor steht für das Papier seit Jahresanfang ein Zuwachs von 69 Prozent zu Buche.
Infineon profitiert dabei von der Erwartung, dass der Umbau industrieller Stromnetze und der Ausbau von Serverfarmen den Bedarf an modernen Leistungshalbleitern über die kommenden Jahre stützen wird.
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