Infineon treibt die Stromversorgung von KI-Rechenzentren mit einem neuen Partner voran. Am 2. September unterzeichnete der Münchner Chiphersteller eine Absichtserklärung mit dem estnischen Energiespeicher-Spezialisten Skeleton Technologies. Ziel ist eine gemeinsame Lösung aus Halbleitern und Superkondensatoren, die den Energiebedarf von Rechenzentren spürbar senken soll.

Im Zentrum der Kooperation stehen Festkörpertransformatoren mit CoolSiC-Chips von Infineon sowie Systeme zur Lastkappung, die CoolGaN-Halbleiter mit Superkondensatoren von Skeleton kombinieren. Nach Angaben von Skeleton lässt sich der Energiebedarf auf diesem Weg um bis zu 45 Prozent senken.

Die Superkondensatoren fertigt Skeleton ohne Lithium, Kobalt oder Mangan in einem 220 Millionen Euro teuren Werk bei Leipzig. Für Infineon ist der Vorstoß strategisch bedeutsam: Der Stromhunger von Rechenzentren gilt als eine der größten Wachstumsbremsen für den KI-Boom, und Energieeffizienz wird damit zu einem zentralen Verkaufsargument für Leistungshalbleiter.

Ein Markt mit enormem Wachstumsdruck

Der Zeitpunkt der Partnerschaft ist kein Zufall. Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren wird laut Internationaler Energieagentur bis 2030 auf 945 Terawattstunden steigen – mehr als doppelt so viel wie heute. Allein der KI-Anteil daran könnte sich in diesem Zeitraum vervierfachen.

Wer Chips liefert, die diesen Bedarf effizienter decken, positioniert sich in einem der am schnellsten wachsenden Teilmärkte der Halbleiterindustrie. Infineon setzt dabei auf seine etablierten CoolSiC- und CoolGaN-Produktlinien, die bereits in der Leistungselektronik für Elektromobilität und Industrieanwendungen zum Einsatz kommen.

Die neue Kooperation reiht sich in eine Serie strategischer Schritte des Konzerns ein. Erst am selben Tag hatte Infineon die Übernahme von C2i Semiconductors bekanntgegeben, zudem vertieft der Konzern seit gut drei Wochen eine Partnerschaft mit LS Electric – ein Engagement, das die Aktie seither um 7,2 Prozent nicht vor Kursverlusten bewahren konnte.

Auch bei der Elektromobilität bleibt Infineon aktiv: Im EU-Forschungsprojekt HiPower 5.0, an dem 45 Partner beteiligt sind, arbeitet der Konzern gemeinsam mit Soitec und Mercedes-Benz an Galliumnitrid- und Siliziumkarbid-Leistungselektronik mit Wirkungsgraden von bis zu 99 Prozent.

Kurs erholt sich, bleibt aber unter Druck

An der Börse kommt die Nachrichtenlage gut an. Die Infineon-Aktie legt am heutigen Freitag um 3,0 Prozent auf 57,50 Euro zu, nach einem Schlusskurs von 55,80 Euro am Vortag.

Auf Sicht von 30 Tagen steht das Papier dennoch mit 4,8 Prozent im Minus und notiert weiterhin rund 36 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie trotz der jüngsten Schwäche 52 Prozent zugelegt.

Für Anleger zeigt die Kombination aus Rekord-Kooperationen und volatilem Kursverlauf ein bekanntes Muster: Infineon positioniert sich technologisch klar im Wachstumsfeld KI-Infrastruktur, muss aber operative Fortschritte erst in nachhaltige Kursstabilität übersetzen. Die Partnerschaft mit Skeleton liefert dafür ein weiteres Argument, ohne die grundsätzliche Bewertungsfrage des Konzerns zu beantworten.