Infineon Technologies zieht sich aus einem Teil der eigenen Fertigung in den USA zurück. Das Unternehmen schloss vor rund drei Wochen eine Halbleiterfertigung in Mesa, Arizona, und baute dabei 98 Stellen ab. Die Produktion von sechs- und acht-Zoll-Frontend-Epitaxie-Wafern soll künftig bei strategischen Foundry-Partnern erfolgen, wie aus Medienberichten hervorgeht.

Der Schritt fällt in eine Phase, in der Infineon operativ eigentlich gute Zahlen vorweisen kann. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete der Konzern Anfang August einen Rekordumsatz von 4,172 Milliarden Euro, ein Segmentergebnis von 797 Millionen Euro und eine Segmentmarge von 19,1 Prozent.

Für das vierte Quartal stellte das Unternehmen rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz und eine Segmentmarge von etwa 23 Prozent in Aussicht, die Jahresprognose hob Infineon auf rund 16,3 Milliarden Euro Umsatz an.

Kapazitätsanpassung trotz starker Guidance

Dass Infineon trotz angehobener Prognose eine bestehende Fertigungslinie aufgibt, passt zu einem Muster, das viele Chiphersteller derzeit verfolgen: Statt selbst in jede Kapazitätsstufe zu investieren, lagern sie Teile der Wertschöpfung an spezialisierte Auftragsfertiger aus. Für den Standort Mesa bedeutet das einen konkreten Stellenabbau, für den Konzern insgesamt eine schlankere Kostenbasis in einem Segment mit vergleichsweise geringer Marge.

Parallel zur operativen Neuausrichtung hat Infineon in dieser Woche ein Kapitalmarktprogramm abgeschlossen: Gestern gab das Unternehmen die vollständige Durchführung seines Aktienrückkaufprogramms 2026/02 bekannt.

Zwischen dem 17. und 20. August kaufte die Gesellschaft 2.359.366 eigene Aktien zurück und erreichte damit das Gesamtvolumen von drei Millionen Aktien, die zu einem Durchschnittspreis von 58,45 Euro erworben wurden. Das ursprünglich am 10. August gestartete Programm mit einem geplanten Volumen von bis zu 300 Millionen Euro und einer Laufzeit bis 13. November wurde damit deutlich vor dem Fristende beendet.

Analysten senken Kursziele nach den Quartalszahlen

Nach der Vorlage der Q3-Zahlen reagierten mehrere Analysehäuser mit gesenkten Kurszielen, hielten aber überwiegend an positiven Einstufungen fest. TD Cowen reduzierte sein Kursziel von 88 auf 72 Euro und beließ die Einstufung bei Kaufen.

Die Deutsche Bank senkte ihre Zielmarke von 90 auf 85 Euro, ebenfalls bei einer Kaufempfehlung. Morgan Stanley strich das Kursziel von 91 auf 81 Euro zusammen, bestätigte aber die Overweight-Einstufung. UBS bildete die Ausnahme und hob das Kursziel leicht von 61 auf 64 Euro an, blieb jedoch bei Halten.

Am Aktienmarkt zeigte sich die Gemengelage zuletzt in erhöhter Nervosität: Der Kurs schloss am Freitag bei 56,35 Euro und legte damit im Tagesverlauf um 1,4 Prozent zu, notiert aber weiterhin rund 18 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Für Anleger bleibt die Gemengelage damit zweigeteilt: operativ liefert Infineon Rekordzahlen und eine angehobene Guidance, strukturell zeigt die Werksschließung in Arizona, dass der Konzern seine Fertigungsbasis selbst in wachstumsstarken Phasen kritisch überprüft.