Der Kurs hat sich in zwölf Monaten fast versechsfacht. Doch hinter der spektakulären Kurserholung der Intel-Aktie zeichnet sich ein nüchternes Bild ab: Die Stärke an der Börse schlägt sich kaum in neuen Arbeitsplätzen nieder — zumindest nicht in Oregons wichtigstem Halbleiterstandort.
Aktienrallye trifft auf Beschäftigungsrealität
Intel beschäftigt rund 18.000 Menschen in Oregon, die meisten davon im Washington County. Zuvor hatte der Konzern im Bundesstaat mehr als 3.000 Stellen gestrichen. Seit April hat sich der Kurs von unter 45 Dollar auf zeitweise 132 Dollar erholt — ein beeindruckender Sprung. Aktuell notiert die Aktie bei rund 105 Euro, knapp vier Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Experten warnen jedoch: Stärkere Investorennachfrage nach KI-Chips bedeutet nicht automatisch mehr Fabrikjobs. Kapazitätsausbau in der Halbleiterindustrie braucht Zeit — und vor allem Material und Fachkräfte.
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Zahlen zeigen Fortschritt und Druck zugleich
Im ersten Quartal erzielte Intel einen Umsatz von 13,6 Milliarden Dollar, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 0,29 Dollar. Nach GAAP-Rechnung steht hingegen ein Verlust von 0,73 Dollar je Aktie — und ein Nettoverlust von knapp 3,7 Milliarden Dollar.
Kostenseitig macht Intel Fortschritte. Forschungs- und Verwaltungskosten sanken um acht Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar. Allerdings belasteten Restrukturierungskosten von über vier Milliarden Dollar das Quartal erheblich.
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Washington County: Langsame Erholung am Boden
Das Washington County zählt fast 300.000 Arbeitsplätze, davon 46.000 in der Fertigung. Seit März 2025 sind dort rund 3.500 Stellen weggefallen — ein Rückgang von sieben Prozent. Ein Arbeitsmarktanalyst der Oregon Employment Department sieht zwar Anzeichen, dass der Abschwung gestoppt ist. Einen schnellen Aufschwung erwartet er nicht. Unternehmen meldeten zurück, dass die Umsätze nicht stark genug steigen, um Neueinstellungen zu rechtfertigen.
Das ist das eigentliche Signal hinter der Kursrallye: Die Börse preist KI-Infrastrukturnachfrage ein. Die Fabrikhallen in Oregon laufen noch nicht auf Hochtouren.
Ausblick: Execution entscheidet
Für das zweite Quartal erwartet Intel einen Umsatz zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden Dollar. Der GAAP-Gewinn je Aktie soll bei 0,08 Dollar liegen, non-GAAP bei 0,20 Dollar. Die Frage ist nicht mehr, ob KI-Nachfrage existiert. Sie lautet, ob Intel Kapazitäten schnell genug aufbaut, Margen hält und Restrukturierungskosten unter Kontrolle behält — bevor die Euphorie an der Börse auf harte Zahlen trifft.
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