Ein Cybersecurity-Spezialist als erster öffentlich benannter Foundry-Kunde – das ist längst nicht der große Wurf, auf den Intel-CEO Lip-Bu Tan seit Monaten hinarbeitet. Aber es ist ein Anfang, und der kommt zur rechten Zeit.
Ein Kunde mit Namen
Intel und Fortinet haben eine Zusammenarbeit angekündigt, die zeigt, wie dringend Intels Foundry-Sparte greifbare Referenzen braucht. Fortinet lässt seinen kommenden Sicherheitsprozessor SP6 auf dem Intel-4-Verfahren fertigen – einer älteren, aber bewährten Technologie für einfachere Chips wie ASICs. Für die Königsklasse, die hochmodernen 14A- und 18A-Prozesse, hat Intel noch immer keinen „signifikanten“ externen Großkunden vorzuweisen, wie das Unternehmen selbst im April in einer Pflichtmitteilung einräumte.
Tan hatte im Mai gegenüber CNBC von „mehreren Kunden“ gesprochen, aber aus Prinzip keine Namen genannt. Genau das macht die Fortinet-Ankündigung bemerkenswert: Sie ist eine der wenigen konkreten, öffentlich bestätigten Kooperationen abseits interner Aufträge und der US-Regierung, die Intels Foundry für Verteidigungschips nutzt. Kooperationen mit Microsoft, Amazon, Google und mutmaßlich auch Apple blieben bislang entweder unbestätigt oder betrafen nur kleine Stückzahlen.
Fortinet selbst ist im Sicherheitsmarkt kein Leichtgewicht mehr – die Aktie hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Für Intel zählt vor allem das Signal: Wenn ein wachstumsstarkes Unternehmen aus einem völlig anderen Sektor auf Intels Fertigungskapazitäten setzt, stützt das die Erzählung, dass die Foundry-Strategie tatsächlich Kunden anzieht – nicht nur Absichtserklärungen.
Der Sektor erholt sich, Intel mit
Die Nachricht platzt in eine Phase, in der sich Chipwerte weltweit von einem heftigen Ausverkauf der Vorwoche erholen. Der Philadelphia Semiconductor Index war am Freitag mehr als 20 Prozent unter sein Rekordhoch von Ende Juni gerutscht – ein technischer Bärenmarkt. Seit Wochenbeginn drehte die Stimmung: Intel legte im US-Handel rund 5,8 Prozent zu, während Werte wie Micron, Western Digital und AMD teils zweistellig zulegten.
Untermauert wird die Erholung von der ungewöhnlichen Ausgangslage, in der sich Intel seit dem vergangenen Jahr befindet. Die US-Regierung hatte im August 2025 einen Anteil von zehn Prozent am Unternehmen übernommen, was den Kurs binnen eines Jahres um mehr als 300 Prozent trieb.
Blick auf Donnerstag
Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor: Intel legt am Donnerstag nach Börsenschluss Zahlen zum zweiten Quartal vor. Investoren dürften genau darauf achten, ob Tan neben Fortinet auch Fortschritte bei den fortschrittlicheren 14A- und 18A-Prozessen vermelden kann – denn davon hängt ab, ob sich die milliardenschweren Investitionen in neue Fabriken in den USA und im Ausland langfristig rechnen.
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