Berichte über mögliche Milliardenaufträge von Google und Nvidia haben der Intel-Aktie zuletzt kräftigen Auftrieb verschafft. Laut Berichten könnte Google für 2028 rund drei Millionen KI-Chips bei Intel bestellen, während Nvidia den Konzern offenbar als Auftragsfertiger für ein Chip-Design mit vier Grafikprozessoren prüft. Auch Tesla soll im Rahmen eines gemeinsamen Terafab-Projekts mit SpaceX Interesse an einer Intel-Partnerschaft haben. Morgan Stanley verweist zusätzlich auf eine robuste Nachfrage nach Server-Prozessoren. Die Nachrichtenlage kommt für Intel zu einem Zeitpunkt, an dem der Titel binnen einer Woche zuvor bereits deutlich nachgegeben hatte – ein Auf und Ab, das sich auch in den aktuellen Handelsdaten spiegelt.
Zum Wochenschluss schloss die Aktie bei 96,26 Euro, ein Minus von 2,23 Prozent auf Tagesbasis. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Rückgang von 11,77 Prozent zu Buche, während sich der Titel auf 30-Tage-Sicht noch um 3,59 Prozent im Plus befindet. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um 186,45 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht sogar um 372,67 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 124,58 Euro, erreicht Ende Juni 2026, trennen den Titel aktuell 22,73 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief vom 1. August 2025 bei 16,69 Euro satte 476,82 Prozent beträgt. Der Kurs notiert damit 6,40 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 102,84 Euro, aber 76,07 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 54,67 Euro. Der RSI von 42,9 signalisiert eine neutrale bis leicht angeschlagene Marktverfassung, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei hohen 91,61 Prozent. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf umgerechnet 495,13 Milliarden Euro.
Regierungsbeteiligung und Apple-Deal als Kurstreiber
Hinter der Kursrally der vergangenen Monate steht ein politisch getriebenes Konstrukt. Die US-Regierung hat rund 9 Milliarden US-Dollar an CHIPS-Act-Fördermitteln in eine Beteiligung von etwa 10 Prozent an Intel umgewandelt und ist damit größter Anteilseigner geworden. Zusätzlich sollen laut Berichten weitere 10 Milliarden US-Dollar für US-Fabriken bereitstehen. Wie das Wall Street Journal berichtete, drängte Handelsminister Lutnick in wiederholten Gesprächen mit Apple-Chef Tim Cook, Nvidia-Chef Jensen Huang und Elon Musk auf Fertigungsaufträge für Intel.
Im Zentrum steht der Deal mit Apple: Der iPhone-Hersteller sicherte sich laut WSJ bereits 2025 eine Ausnahme von geplanten 100-prozentigen Halbleiterzöllen, indem er zusagte, einen Teil der Chip-Produktion zu Intel zu verlagern. Trump bestätigte die Vereinbarung im Juni 2026. Intels 18A-P-Fertigungsprozess soll künftig bis zu 20 Millionen einfache Chips pro Jahr für Apple herstellen, wobei TSMC weiterhin mehr als 90 Prozent der Apple-Aufträge behält. Die anspruchsvolleren A21-Chips für iPhones könnten 2028 auf Intels 14A-Knoten wechseln, ein Massenversand wird für 2027 anvisiert. Nvidia soll parallel 5 Milliarden US-Dollar investiert haben, SoftBank weitere 2 Milliarden US-Dollar. Intel-Chef Lip-Bu Tan, der den Konzern seit März 2025 führt, treibt die Neuausrichtung voran – die Aktie hat sich unter seiner Führung mehr als vervierfacht.
Zahlen zeigen Fortschritt und Risiken zugleich
Operativ liefert Intel durchwachsene, aber verbesserte Ergebnisse. Im ersten Quartal 2026 übertraf der Konzern mit einem Gewinn je Aktie von 0,29 US-Dollar die Konsensschätzung von 0,01 US-Dollar deutlich, der Umsatz kletterte um 7,4 Prozent auf 13,58 Milliarden US-Dollar gegenüber erwarteten 12,32 Milliarden US-Dollar. Der Bereich Data Center and AI wuchs um 22 Prozent auf rund 5,1 Milliarden US-Dollar, die Foundry-Sparte um 16 Prozent auf 5,4 Milliarden US-Dollar – allerdings stammten davon nur 174 Millionen US-Dollar aus externen Kunden, ein Anstieg gegenüber 31 Millionen US-Dollar im Vorjahr, der laut Berichten größtenteils auf Bilanzierungseffekte durch die Altera-Transaktion zurückgeht. Über die vergangenen vier Quartale summierte sich der Foundry-Verlust auf 10,4 Milliarden US-Dollar. Für das zweite Quartal stellt Intel einen Umsatz zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 0,20 US-Dollar in Aussicht.
Die Analystenmeinungen zur Bewertung gehen deutlich auseinander. HSBC verdoppelte ihr Kursziel auf 200 US-Dollar, den höchsten Wert am Markt, und bestätigte die Kaufempfehlung mit Verweis auf den Server-CPU-Ausblick und die Foundry-Fortschritte. Andere Daten zeigen dagegen einen Analystenkonsens mit Hold-Einstufung und einem Durchschnittskursziel von 98,15 US-Dollar, während 24/7 Wall St. mit einem Kursziel von 103,26 US-Dollar sogar eine mögliche Überbewertung von rund 90 Prozent signalisiert. Kommentatoren des Motley Fool verweisen darauf, dass Intel derzeit mit dem rund 100-Fachen der erwarteten Gewinne für 2027 gehandelt wird, deutlich mehr als AMD mit dem 70-Fachen oder TSMC mit dem 27,5-Fachen – der Konzern müsse seine Erträge vervierfachen, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen.
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