Die IonQ Aktie ist nach dem aktuellen Nvidia-Deal gestärkt, die SkyWater Übernahme bringt weiteres Potenzial für das Quantencomputing. Wie sind die Aussichten im Chartbild? Dies schauen wir uns heute genauer an.

Wachstum bei IonQ weiter intakt, Branchenführer rüstet auf

IonQ gehört zu den bekanntesten börsennotierten Unternehmen im noch jungen Markt für Quantencomputing. Gegründet wurde das Unternehmen 2015 von den Physikern Christopher Monroe und Jungsang Kim. Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie IBM oder Google setzt IonQ bei seinen Quantencomputern auf sogenannte gefangene Ionen. Einzelne Atome werden dabei mit elektromagnetischen Feldern festgehalten und mit Hilfe von Lasern manipuliert.

Der Vorteil dieser Technologie liegt unter anderem in der hohen Genauigkeit und guten Vernetzbarkeit der Qubits. Gleichzeitig ist der Aufbau leistungsfähiger und fehlerkorrigierter Quantencomputer technisch extrem anspruchsvoll. Noch befindet sich die gesamte Branche in einer frühen Entwicklungsphase.

An die Börse kam IonQ 2021 über die Fusion mit einer SPAC. Seitdem gehört die Aktie neben D-Wave und Rigetti zu den bekanntesten direkten Möglichkeiten für Anleger, auf die Entwicklung des Quantencomputings zu setzen. Inzwischen geht die Strategie allerdings weit über den eigentlichen Quantencomputer hinaus. IonQ möchte eine vollständige Quantum-Plattform aufbauen, die neben Quantum Computing auch Quantennetzwerke, Quantensensorik, Sicherheit und die benötigte Halbleiterfertigung umfasst.

Ein entscheidender Schritt war deshalb die Übernahme von SkyWater Technology. Die Transaktion wurde Ende Juli 2026 abgeschlossen. SkyWater ist eine amerikanische Halbleiter-Foundry und ermöglicht IonQ einen wesentlich stärkeren Zugriff auf die Produktion eigener Chips. Damit soll die Entwicklung neuer Quantencomputer beschleunigt und gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Fertigungspartnern reduziert werden.

Wie stark IonQ momentan wächst, zeigen die jüngsten Quartalszahlen. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 80,1 Millionen US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von 287 Prozent. Rund 60 Prozent des Umsatzes kamen bereits von kommerziellen Kunden und etwa die Hälfte aus internationalen Märkten.

Bemerkenswert ist auch, dass IonQ seine Umsatzprognose innerhalb weniger Monate mehrfach angehoben hat. Nach den Quartalszahlen wurden zunächst 280 bis 290 Millionen Dollar für 2026 erwartet. Durch die inzwischen abgeschlossene Integration von SkyWater hob IonQ die Prognose Anfang September nochmals deutlich auf 450 bis 460 Millionen Dollar an. Darin sind allerdings nun auch die Umsätze von SkyWater enthalten. Organisch erwartet IonQ für das Gesamtjahr weiterhin ein Wachstum von rund 100 Prozent.

Technologisch arbeitet das Unternehmen gleichzeitig an immer leistungsfähigeren Systemen. Mit Tempo besitzt IonQ bereits seine fünfte Generation von Quantencomputern. Zusätzlich wurde der erste Verkauf eines chipbasierten Systems mit 256 Qubits bekannt gegeben. Langfristig besteht das Ziel darin, fehlertolerante Quantencomputer zu entwickeln, die komplexe Aufgaben zuverlässig über längere Zeiträume berechnen können.

Potenzielle Einsatzgebiete reichen von der Entwicklung neuer Medikamente und Materialien über Finanzmodelle und Logistik bis hin zur Optimierung industrieller Prozesse. Gleichzeitig arbeitet IonQ an Quantennetzwerken, mit denen Quantencomputer miteinander verbunden werden sollen. Dadurch könnten zukünftig wesentlich größere verteilte Quantensysteme entstehen.

Auch staatliche Institutionen spielen eine wichtige Rolle. IonQ arbeitet unter anderem mit DARPA zusammen und wurde für Programme des amerikanischen Verteidigungsbereichs ausgewählt. Gleichzeitig verkauft das Unternehmen Systeme international. So wurde beispielsweise ein 100-Qubit-System an das Korea Institute of Science and Technology Information verkauft.

Für die IonQ-Aktie ist das außergewöhnliche Wachstum allerdings nur eine Seite der Geschichte. Das Unternehmen arbeitet weiterhin mit hohen Verlusten. Im zweiten Quartal lag der bereinigte EBITDA-Verlust bei rund 120 Millionen Dollar. Durch bilanzielle Sondereffekte fiel der ausgewiesene Nettoverlust sogar wesentlich höher aus. Gleichzeitig verfügte IonQ Ende Juni über rund drei Milliarden Dollar an liquiden Mitteln und Anlagen; nach Berücksichtigung der SkyWater-Übernahme wären es auf Pro-forma-Basis etwa zwei Milliarden Dollar.

Damit bleibt IonQ ein typisches Zukunftsinvestment. Der heutige Umsatz ist im Verhältnis zur Börsenbewertung noch vergleichsweise gering. Anleger bezahlen vor allem für die Erwartung, dass Quantencomputer in den kommenden Jahren von experimentellen Systemen zu kommerziell relevanter Technologie werden.

Genau darin liegt sowohl die große Chance als auch das größte Risiko. Sollte IonQ tatsächlich leistungsfähige fehlertolerante Quantencomputer entwickeln und gleichzeitig Computing, Networking, Sensorik und eigene Chipfertigung miteinander verbinden können, könnte das Unternehmen eine wichtige Position in einem völlig neuen Technologiemarkt einnehmen.

Bis dahin sind jedoch enorme Investitionen notwendig und es bleibt offen, wann Quantencomputer in großem Umfang wirtschaftlich nutzbar werden. Zudem konkurriert IonQ mit finanzstarken Technologiekonzernen wie IBM, Alphabet und Microsoft sowie spezialisierten Unternehmen wie Quantinuum, Rigetti und D-Wave.

Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen dennoch, dass IonQ zunehmend reale Umsätze generiert. 80,1 Millionen Dollar Quartalsumsatz, 287 Prozent Wachstum und eine nach der SkyWater-Übernahme auf 450 bis 460 Millionen Dollar erhöhte Jahresprognose markieren einen deutlichen Sprung gegenüber den vergangenen Jahren.

Für die Aktie dürfte deshalb entscheidend sein, ob IonQ das hohe Wachstum über mehrere Jahre fortsetzen und gleichzeitig seine technologischen Versprechen erfüllen kann. Gelingt der Übergang vom heutigen Entwicklungsmarkt zu kommerziell einsetzbaren Quantencomputern, besitzt IonQ erhebliches Potenzial. Bis dieser Nachweis erbracht ist, bleibt die Aktie jedoch eine hoch bewertete und entsprechend spekulative Wette auf den Durchbruch des Quantencomputings.
Im Video blicken wir auf den weiteren Ausblick des Unternehmens und die Entwicklung der Aktien, die Du wieder bequem mit dem Freestoxx-Konto handeln kannst.

Das Video zur IonQ Aktienanalyse

Im Format „Aktien im Fokus“ nehmen Roland Jegen und Andreas Bernstein regelmäßig US-Aktien näher unter die Lupe. Heute ist die IonQ das Thema des Tages, anbei das Video:

Die Analysen konzentrieren sich dabei sowohl auf Fundamentaldaten als auch auf die Charttechnik.

Was lässt sich im weiteren Verlauf erwarten? Alle Insights erhalten Sie in unserem Video!

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Aktien Research Andreas Bernstein

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