Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF hat einen der wildesten Monate der jüngeren Handelsgeschichte hinter sich. Nach einem beispiellosen Auf und Ab bei Speicherchip-Herstellern und Cloud-Anbietern schloss das Papier am Freitag bei 16,27 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 17,90 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark die Nervosität rund um die Bewertung von Künstlicher-Intelligenz-Aktien den gesamten Sektor erfasst hat.

Ausgelöst wurde die jüngste Talfahrt durch eine Verkettung widersprüchlicher Signale. Auf der einen Seite treibt der KI-Investitionsboom die Fantasie: Amazon erhöhte sein Investitionsbudget für 2026 laut eigenen Angaben auf 220 Milliarden Dollar, nachdem der Auftragsbestand der Cloud-Sparte AWS im zweiten Quartal auf 496 Milliarden Dollar gestiegen war. Amazon-Chef Andy Jassy erklärte nach den Zahlen, die Kapazitäten reichten bis 2028 nicht aus, um die Nachfrage zu decken, wie CNBC berichtete. Die Aktie legte daraufhin an der Wall Street kräftig zu und beruhigte zunächst die Sorgen der Anleger vor überzogenen KI-Ausgaben.

Speicherchip-Riesen unter Gewinnmitnahmen

Auf der anderen Seite sorgten ausgerechnet die größten Nutznießer des KI-Booms für Verunsicherung. SK Hynix meldete zwar einen Rekordquartalsgewinn von 60,5 Billionen Won, blieb damit aber unter der Analystenerwartung von 64 Billionen Won. Das Management begründete dies mit Verzögerungen bei der Auslieferung fortschrittlicher Produkte, die den Preisauftrieb bei DRAM-Speicher bremsten. Die Aktie brach daraufhin ein, im gleichen Zug rutschte auch Micron rund 30 Prozent unter ihr Juni-Hoch, obwohl der Speicherchip-Hersteller starke Quartalszahlen mit einem Nettogewinn von 28,24 Milliarden Dollar und einer Bruttomarge von 84,6 Prozent vorgelegt hatte.

Verschärft wird der Druck durch den chinesischen Wettbewerber CXMT, der laut Korea JoongAng Daily seinen Marktanteil bei DRAM-Speicher binnen eines Jahres von 3 auf 8 Prozent ausgebaut hat und seine Kapazität bis 2028 mehr als verdoppeln will. Samsung und SK Hynix reagieren mit milliardenschweren Investitionsprogrammen von zusammen 800 Billionen Won für neue Fabriken, doch Analysten sehen den Aufholprozess der Chinesen bei älteren Speicherchip-Generationen bereits als unaufhaltsam an.

Die Verwerfungen hinterließen auch bei spekulativen Marktteilnehmern Spuren: Der auf KI-Werte spezialisierte Hedgefonds Situational Awareness musste laut Bloomberg nach Nachschussforderungen einen Großteil seines Aktienportfolios an Citadel verkaufen, nachdem Positionen unter anderem in SK Hynix und Micron stark unter Druck geraten waren. Die Volatilität dieser Woche zeigte sich auch im ETF selbst: Binnen sieben Tagen verlor das Papier 5,77 Prozent, ein Beleg dafür, dass sich die Beruhigung an der Wall Street noch nicht auf den gesamten Halbleitersektor übertragen hat.

Erholung in Asien, Zurückhaltung im Westen

Während US-Speicherchip-Werte Gewinne abgaben, feierte der südkoreanische Aktienmarkt am Freitag ein historisches Comeback: Der KOSPI legte laut Korea Times um 17,91 Prozent zu, angetrieben von Kurssprüngen bei SK Hynix und Samsung Electronics, nachdem beide Konzerne zuvor binnen weniger Handelstage zweistellige Verluste erlitten hatten. Auslöser der Erholung waren die starken KI-Investitionssignale von Amazon und Microsoft, deren Cloud-Wachstum von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr das Vertrauen in die Chip-Nachfrage stärkte.

Technisch bleibt der Global-Semiconductors-ETF angeschlagen: Mit einem Abstand von 12,35 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt notiert das Papier klar unter seinem mittelfristigen Trend, was auf anhaltenden Verkaufsdruck hindeutet. Für den nächsten Impuls dürfte der 5. August entscheidend sein, wenn AMD seine Quartalszahlen vorlegt – nach den jüngsten Kursausschlägen bei Amazon und Microsoft ein Termin, den Anleger im gesamten Sektor genau beobachten dürften. Auch SanDisk wird am 6. August berichten und damit ein weiteres Signal für die Preisentwicklung bei Speicherchips liefern.