Am Dienstag hat ITM Power einen wichtigen Baustein seines Wasserstoff-Großprojekts fertiggestellt. Im Rahmen von GET H2 Nukleus wurde am Elektrolyse-Standort von RWE in Lingen erstmals grüner Wasserstoff produziert und über eine rund 120 Kilometer lange Pipeline zum Chemiepark von Evonik in Marl transportiert. ITM Power lieferte für die Anlage in Lingen zwei PEM-Elektrolyseure mit jeweils 100 Megawatt Leistung, an dem Projekt beteiligt ist zudem Linde Engineering als Partner beim Aufbau der Infrastruktur.
Das Projekt steuert nun auf eine kombinierte Betriebskapazität von 200 Megawatt zu. Für ITM Power markiert dieser Schritt einen Beleg dafür, dass sich die eigene PEM-Technologie im industriellen Maßstab bewährt – ein Signal, das über die reine Projektmeldung hinaus für die kommerzielle Positionierung des Unternehmens im Wasserstoffmarkt wichtig ist.
An der Börse zeigte sich die Reaktion verhalten positiv: Auf Wochensicht legte die Aktie um 7,13 Prozent zu. Zum Handelsende am Freitag stand das Papier bei 1,29 Euro, ein Minus von 0,54 Prozent auf Tagesbasis. Von seinem 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro, erreicht Ende Mai, bleibt der Titel mit einem Abstand von 49,88 Prozent aber weit entfernt – ein Hinweis darauf, dass operative Fortschritte allein die hohe Schwankungsbreite der Aktie bislang nicht ausgeglichen haben.
Auftragsbestand und Barmittel geben Rückhalt
Fundamental steht ITM Power nach den zuletzt vorgelegten Zahlen solider da als in den Vorjahren. Für die sechs Monate bis Ende Oktober 2025 meldete das Unternehmen im Januar einen Umsatz von 18 Millionen britischen Pfund, den höchsten Halbjahreswert der Firmengeschichte. Der operative Bruttoverlust verringerte sich im Jahresvergleich von 10,2 auf 6,5 Millionen Pfund. Die Barmittel beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf 197,8 Millionen Pfund, der Auftragsbestand auf 152 Millionen Pfund, wovon 71 Prozent als profitabel eingestuft wurden. Diese Kennzahlen liefern die finanzielle Basis, um Projekte wie Lingen und Marl auch über die Bauphase hinaus zu begleiten.
Kooperation mit der Deutschen Bahn
Bereits im Juni hatte ITM Power mit DB Systemtechnik, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, eine Absichtserklärung für eine Innovations- und Forschungspartnerschaft im Bereich grüner Energielösungen für Verkehr und kritische Infrastruktur unterzeichnet. Erster Schritt ist eine gemeinsame FEED-Studie zur Integration von ITM-Elektrolyseuren an Standorten der Deutschen Bahn. Die Aktie reagierte auf die Ankündigung an jenem Tag zunächst mit einem untertägigen Rückgang von 2,5 Prozent, wie Alliance News berichtete – ein Beispiel dafür, dass strategische Partnerschaften ohne unmittelbaren Umsatzeffekt an der Börse nicht automatisch honoriert werden.
Kapitalspritze von Great British Energy
Untermauert wird die Investitionsfähigkeit des Unternehmens durch ein staatlich unterstütztes Finanzierungspaket über 86,5 Millionen Pfund, aus dem Great British Energy 40 Millionen Pfund als Eigenkapital beisteuerte. Hinzu kommt eine Förderzusage des britischen Ministeriums für Energiesicherheit und Netto-Null, die an die CHRONOS-Stack-Plattform von ITM Power gekoppelt ist. Diese öffentliche Unterstützung flankiert die kommerziellen Fortschritte in Lingen und Marl und schafft zusätzlichen finanziellen Spielraum für die weitere Skalierung.
Der nächste Termin, an dem sich zeigen wird, ob sich operative Fortschritte in harten Zahlen niederschlagen, ist der 15. September 2026. Dann legt ITM Power den nächsten Geschäftsbericht vor.
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