Grünes Licht aus London, roter Kurs an der Börse: ITM Power hat für sein Zukunftsprojekt „Chronos“ grünes Licht von der britischen Regulierungsbehörde erhalten. Die Subsidy Control Authority (SAU) schloss ihre Prüfung am 12. Juli 2026 ab. Das Ministerium für Energiesicherheit und Net Zero (DESNZ) kann die Förderzusage über 46,5 Millionen Pfund nun final besiegeln.

Das Geld ist für den Aufbau einer hochautomatisierten Fertigungslinie am bestehenden Standort in Sheffield reserviert. Die neue Anlage soll eine Jahreskapazität von einem Gigawatt erreichen. Mit der „Chronos“-Stack-Technologie will ITM Power gegenüber der aktuellen Trident-Plattform sowohl die Energieeffizienz steigern als auch die Produktionskosten senken.

Great British Energy steigt mit ein

Zur staatlichen Förderung kommt eine Eigenkapitalspritze von 40 Millionen Pfund von Great British Energy, dem staatlichen Energieunternehmen. Zusammen summiert sich die öffentliche und strategische Unterstützung für Chronos auf mehr als 86 Millionen Pfund. CEO Dennis Schulz bezeichnete die formale Bewilligung als „entscheidenden Schritt“, um Sheffield zu einem globalen Zentrum für Wasserstofftechnologie zu machen.

Die Partnerschaft mit Great British Energy soll vor allem eines leisten: das Risiko bei der Umsetzung von Großprojekten senken. Die Chronos-Linie konzentriert sich auf maßgeschneiderte Automatisierungstechnik — spezielle Beschichtungsverfahren, Elektrodenschweißen und Stack-Montage gehören dazu. ITM Power will damit die wachsende Industrienachfrage nach grünem Wasserstoff bedienen und gleichzeitig den Weg zur nachhaltigen Profitabilität ebnen.

Über den heimischen Markt hinaus baut das Unternehmen seine internationale Präsenz aus. Dazu zählen Forschungspartnerschaften zur Dekarbonisierung des Schienenverkehrs sowie strategische Kooperationen bei internationalen „Giga PtX“-Projekten. Beide Vorhaben nutzen die PEM-Membrantechnologie (Proton Exchange Membrane) des Unternehmens.

Kurs bleibt unter Druck

Die regulatorische Freigabe hat den Aktienkurs bislang nicht beflügelt. ITM Power schloss am Montag bei 1,33 Euro, ein Minus von 15 Prozent innerhalb eines Monats. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,49 Prozent zu Buche.

Damit notiert die Aktie rund 22,44 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,71 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro aus dem Mai klafft eine Lücke von 48,56 Prozent. Der RSI von 40,8 signalisiert eine neutrale bis schwache Kursdynamik im kurzfristigen Bereich.

Trotz der jüngsten Schwäche bleibt die Jahresperformance beeindruckend: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 82,77 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Gewinn auf 46,36 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 106,35 Prozent zeigt allerdings, wie nervös der Titel auf Nachrichten reagiert.

Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 932 Millionen Euro. Anleger müssen nun abwägen: langfristiges Industriepotenzial durch die Chronos-Fertigung gegen die kurzfristige Volatilität des Titels. Ob die Sheffield-Investition den Turnaround einleitet, hängt vom Baufortschritt der neuen Linie ab — konkrete Zeitpläne für die Inbetriebnahme stehen noch aus.