Für ITM Power beginnt eine der wichtigsten Wochen seit dem Börsengang. Gleich drei Ereignisse könnten den Kurs des britischen Elektrolyseur-Herstellers nachhaltig beeinflussen: eine Förderentscheidung über 1 Gigawatt Produktionskapazität, die strategische Partnerschaft mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall, und die Aufnahme in den MSCI-Index.
Die Rollen sind neu verteilt. ITM Power wandelt sich vom reinen Wasserstoff-Projektentwickler zum potenziellen NATO-Lieferanten.
Verteidigungspartnerschaft: Rheinmetall setzt auf ITM
Die Zusammenarbeit mit Rheinmetall zielt auf das Giga-PtX-Projekt. Geplant ist ein europaweites Netz dezentraler Synthetik-Kraftstoffwerke für die NATO-Streitkräfte. Jede Anlage soll bis zu 50 Megawatt Elektrolyseleistung liefern und jährlich 5.000 bis 7.000 Tonnen E-Fuel produzieren.
Mehrere hundert dieser Anlagen sind vorgesehen. Der Fokus liegt zunächst auf Großbritannien.
Rheinmetall arbeitet parallel mit dem deutschen Alkali-Elektrolyseur-Hersteller Sunfire zusammen. Das E-Fuel-Unternehmen Ineratec liefert Fischer-Tropsch-Technologie, Greenlyte Carbon Technologies die COâ‚‚-Abscheidung aus der Luft.
Synthetische Kraftstoffe gelten als kritisch für Verteidigung und andere Bereiche, in denen Elektrifizierung nicht möglich ist. Das Giga-PtX-Projekt eröffnet ITM Power einen neuen Milliardenmarkt jenseits der zivilen Wasserstoffwirtschaft.
Chronos-Zuschuss: Entscheidung am Dienstag
Das britische Energieministerium hat grünes Licht für die Förderzusage gegeben. Die Entscheidung wird noch am 26. Mai erwartet. Es geht um einen Kapitalzuschuss für eine vollautomatisierte 1-GW-Fertigungslinie in Sheffield.
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Die neue Chronos-Generation ist ein Technologiesprung: Jede Einheit liefert 2 Megawatt – dreimal so viel wie das aktuelle System. Die Kosten sinken um 40 Prozent, der Platzbedarf halbiert sich.
Das Management will direkt nach der Entscheidung die finale Investitionsfreigabe erteilen. Der kommerzielle Betrieb ist für 2028 geplant.
Jefferies warnt: Fällt die Förderung negativ aus, droht ein Kursverlust von bis zu 52 Prozent.
Pipeline reicht weit über Sheffield hinaus
ITM Power liefert sechs Poseidon-Module mit je 20 Megawatt für Unipers Humber-H2ub-Projekt in Killingholme. Die finale Investitionsentscheidung fällt 2026, der Hochlauf beginnt 2029.
Eine separate 150-Megawatt-Kapazitätsreserve mit RWE und Verträge über mehr als 710 Megawatt in Deutschland schaffen zusätzliche Visibilität.
Am 29. Mai folgt die Aufnahme in den MSCI United Kingdom Small Cap Index. Passive Fonds müssen die Aktie kaufen. Das hebt die Handelsvolumina und erhöht die Sichtbarkeit bei internationalen Anlegern.
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Finanzkennzahlen bessern sich, Verluste bleiben
Der Halbjahresumsatz stieg auf ein Rekordniveau von 18 Millionen Pfund. Der Ausblick für 2026 liegt bei 40 bis 43 Millionen Pfund – ein Plus von 35 Prozent zum Vorjahr.
Der bereinigte EBITDA-Verlust schrumpfte von 16,8 auf 11,9 Millionen Pfund. Der Vorsteuerverlust für das im April 2025 abgeschlossene Geschäftsjahr weitete sich dagegen auf 45,4 Millionen Pfund aus.
Die Liquidität bleibt robust: 210 bis 215 Millionen Pfund Jahresendbestand, gestützt durch Mittel der Great British Energy.
Analysten uneins – Spektrum reicht von Kauf bis Verkauf
Morgan Stanley stufte die Aktie auf „Overweight“ hoch und setzte ein Kursziel von 170 Pence. Jefferies hob das Ziel auf 200 Pence, bestätigte „Buy“ und verwies auf verbesserte Ertragsaussichten. UBS bleibt skeptisch.
Von elf Analysten raten sieben zum Kauf, vier zu „Hold“, einer zum Verkauf.
Die Differenz zwischen optimistischsten und pessimistischsten Zielen spiegelt die binäre Natur der nächsten Tage: Förderentscheidung, Indexrebalancing, und die langfristige Glaubwürdigkeit der Verteidigungswende – der Markt wird alles gleichzeitig bewerten.
Eine positive Entscheidung könnte den Weg zu einem neuen Kapitel öffnen. Ein Nein würde die Aktie zurückwerfen. Soweit die Lage: Spannend wird es am Abend.
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