ITM Power rückt in eine entscheidende Phase. Der bestätigte Chronos-Zuschuss gibt dem Wasserstoff-Spezialisten mehr Planungssicherheit, während gleich mehrere Projektentscheidungen näherkommen. Jede davon kann die operative Wende deutlich beschleunigen.
Im Kern geht es um mehr als eine einzelne Förderzusage. ITM will zeigen, dass aus besseren Aufträgen, sinkenden Verlusten und neuer Industrienachfrage ein tragfähiges Geschäftsmodell wird. Das dürfte spannend werden.
Chronos bekommt Rückenwind
Great British Energy steigt mit einer strategischen Eigenkapitalinvestition von 40 Millionen Pfund ein. Hinzu kommt ein Zuschuss des britischen Energieministeriums über 46,5 Millionen Pfund. Beide Mittel sollen ITM beim Aufbau einer großen britischen Fertigung für Chronos helfen.
Chronos ist die nächste Generation der Elektrolyseur-Stack-Technologie des Unternehmens. Die Linie soll Elektrolyseure mit je zwei Megawatt fertigen und die Stückkosten um 40 Prozent senken. Die jährliche Kapazität soll auf ein Gigawatt steigen.
Der Förderbescheid macht den Weg zur finalen Investitionsentscheidung freier. Das Management erwartet diese Entscheidung im Juni 2026. Damit bekommt ITM einen klaren Termin, an dem die Strategie messbar wird.
Technisch zielt Chronos auf höhere Energieeffizienz, niedrigere Kosten und bessere Leistung. Genau diese Punkte zählen, wenn grüner Wasserstoff aus Pilotprojekten in die industrielle Nutzung wachsen soll.
Uniper und HAR2 als nächste Tests
Chronos ist nur ein Teil der aktuellen Entscheidungswelle. Parallel stehen die Ergebnisse der britischen Hydrogen Allocation Round 2 an. Auch Unipers Humber-H2ub-Projekt kann ein Signal für den gesamten Sektor senden.
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ITM soll für Uniper sechs Poseidon-Module mit je 20 Megawatt liefern. Das Projekt in Killingholme startet mit 120 Megawatt Kapazität. Die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen.
Später kann Humber H2ub um mehr als 200 Megawatt wachsen. Eine finale Investitionsentscheidung erwartet Uniper im laufenden Jahr. Für ITM wäre ein positives Signal wichtig, weil es die Nachfrage nach größeren Systemen stützen würde.
Der nächste feste Termin im Kalender ist der 15. September 2026. Dann legt ITM die Jahreszahlen vor.
Zahlen stützen die Wende
Die operative Entwicklung liefert erstmals mehr Substanz. ITM erzielte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Die Prognose für das Gesamtjahr liegt nun bei 40 bis 43 Millionen Pfund.
Damit peilt das Unternehmen ein Umsatzplus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Noch schreibt ITM rote Zahlen. Der bereinigte EBITDA-Verlust sank aber von 16,8 auf 11,9 Millionen Pfund.
Der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund. Davon gelten 71 Prozent der Verträge als profitabel. Das ist ein klarer Bruch mit älteren Projekten, die ITM früher stark belastet hatten.
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Auch die Bilanz verschafft Spielraum. ITM hält fast 200 Millionen Pfund an Barmitteln und ist schuldenfrei. Analysten sehen deshalb vor dem Ende des Jahrzehnts keinen akuten Bedarf für frisches Kapital.
Rheinmetall öffnet neue Tür
Neben Industrieprojekten erschließt ITM ein neues Feld. Die Zusammenarbeit mit Rheinmetall dreht sich um Giga PtX. Das Projekt soll dezentrale Anlagen für synthetische Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte in Europa aufbauen.
Geplant sind mehrere hundert Produktionsanlagen. Jede Anlage kann bis zu 50 Megawatt Elektrolyseleistung erreichen. Pro Standort sollen jährlich etwa 5.000 bis 7.000 Tonnen E-Fuel entstehen.
Der erste Schwerpunkt liegt auf Großbritannien. Für ITM erweitert sich damit der adressierbare Markt über klassischen Industriewasserstoff hinaus. Energieversorgung, Verteidigung und eigene Treibstoffkapazitäten rücken enger zusammen.
Analysten werden optimistischer
Jefferies hat das Kursziel zuletzt von 115 auf 200 Pence angehoben. Die Einstufung bleibt bei „Buy“. Die Bank verweist auf steigende Gewinnerwartungen und niedrigere Diskontsätze.
Bei den erfassten Analysten überwiegt inzwischen Optimismus. Sieben Stimmen raten zum Kauf, vier zum Halten und eine zum Verkauf. Das Bild ist damit nicht einheitlich, kippt aber klar in eine konstruktivere Richtung.
Morgan Stanley erwartet den EBITDA-Breakeven im Geschäftsjahr 2028. Das wäre ein Jahr früher als bisher gedacht. Voraussetzung ist allerdings, dass ITM rund 200 Megawatt neue Aufträge gewinnt.
Der Bewertungsaufschlag erhöht den Druck. ITM erwartet für das Gesamtjahr weiter einen bereinigten EBITDA-Verlust. Chronos, Uniper und HAR2 liefern nun die konkreten Prüfsteine für die jüngste Kursfantasie.
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