Johnson & Johnson hat eine FDA-Zulassung erhalten, die medizinisch als Meilenstein gilt: Imaavy (nipocalimab-aahu) ist ab sofort die erste zugelassene Therapie speziell für warme autoimmune hämolytische Anämie (wAIHA), eine seltene, lebensbedrohliche Erkrankung, bei der Autoantikörper rote Blutkörperchen zerstören.

Betroffen sind jährlich nur ein bis drei von 100.000 Menschen – eine kleine Patientengruppe, aber bislang ohne gezielte Behandlungsoption jenseits von Kortikosteroiden und Immunsuppressiva.

Was die ENERGY-Studie zeigt

Die Zulassung basiert auf der Phase-2/3-Studie ENERGY mit 115 erwachsenen Teilnehmern. Unter der zugelassenen Dosis von 30 mg/kg erreichten etwa dreimal so viele Patienten einen dauerhaften Hämoglobin-Anstieg wie unter Placebo nach 24 Wochen.

Bereits in der ersten Woche stieg der Hämoglobinwert im Schnitt um 1 g/dL, begleitet von einer spürbaren Verbesserung der Fatigue-Symptomatik. Häufigste Nebenwirkungen waren periphere Ödeme, Durchfall und Fieber – ein Sicherheitsprofil, das sich mit der bereits 2025 erfolgten Zulassung von Imaavy bei generalisierter Myasthenia gravis deckt.

Für Johnson & Johnson ist das mehr als eine Randnotiz im Portfolio. Der Konzern zeigt damit erneut, wie breit seine Pipeline im Bereich seltener Autoimmunerkrankungen aufgestellt ist – ein Feld, in dem Innovative Medicine zunehmend Wachstumsimpulse liefern muss, um den Rückgang älterer Blockbuster wie Stelara auszugleichen.

Stabilität bleibt das Kernversprechen

An der Börse bewegte sich die Aktie zuletzt bei rund 273 Dollar und reagierte auf die Zulassung mit moderaten Gewinnen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das passt zum Bild, das der Titel seit Jahren abgibt: Johnson & Johnson bewegt sich weitgehend unabhängig vom breiten Markt, mit einer Fünfjahres-Korrelation zum S&P 500 von lediglich 0,16. Auch zu Gold und Immobilien zeigt die Aktie kaum Gleichlauf, was sie für Depots mit defensivem Anspruch interessant macht.

Diese Eigenständigkeit hat einen Preis. Bei einem KGV von rund 32 ist die Aktie nicht mehr günstig, und Zukäufe im Pharma-Bereich können kurzfristig auf die Margen drücken.

Die Kombination aus regulatorischen Erfolgen wie der Imaavy-Zulassung und einer breiten Ertragsbasis aus Innovative Medicine und MedTech stützt jedoch die These, dass der Konzern auch nach dem Patentablauf von Stelara wachstumsfähig bleibt – TREMFYA legte im zweiten Quartal 2026 um mehr als 70 Prozent zu und kompensierte einen Großteil des Rückgangs beim älteren Präparat.

Ob Imaavy bei wAIHA kommerziell ein ähnliches Volumen erreicht wie bei Myasthenia gravis, hängt von der Diagnoserate in einer Erkrankung ab, die lange unterversorgt war. Für Johnson & Johnson zählt zunächst der Präzedenzfall: die erste zielgerichtete Therapie für eine bislang unbehandelbare Autoimmunerkrankung im eigenen Portfolio zu haben.