Ein oraler Wirkstoff, der Tumore schrumpfen lässt: Johnson & Johnson hat auf dem europäischen Krebskongress ESMO erste Daten zu JNJ-6143 vorgelegt. Die Resultate aus der frühen Studienphase fallen deutlich aus. Parallel dazu erhielt der Konzern in Europa grünes Licht für eine Ausweitung seines Myelom-Medikaments Tecvayli.

JNJ-6143: Frühe Daten mit Substanz

Der Wirkstoff wird einmal täglich als Tablette eingenommen. Er greift Krebszellen über ein Protein an, das diese zum Überleben benötigen. J&J sicherte sich den Kandidaten durch die Übernahme von Halda Therapeutics im vergangenen Jahr, die rund 3,05 Milliarden Dollar kostete.

In der Studie wurden Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs behandelt, die bereits mehrere Therapien hinter sich hatten. Bei 77 Prozent der 31 auswertbaren Patienten in der 50-Milligramm-Dosis sank der PSA-Wert, ein Blutmarker zur Verlaufskontrolle, um mindestens die Hälfte. Bei 48 Prozent fiel er sogar um mindestens 90 Prozent.

Bei Patienten mit bildgebend messbaren Tumoren zeigten 69 Prozent ein bestätigtes vollständiges oder teilweises Ansprechen. Das ist für eine vorbehandelte Gruppe ein bemerkenswerter Wert, auch wenn die Stichprobe klein bleibt.

Die Verträglichkeit wirkt handhabbar. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit sowie erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridwerte. Ein Patient brach die Behandlung wegen unerwünschter Effekte ab. Ein Konzernsprecher betonte, der Kandidat bringe einen neuen Wirkmechanismus in das Prostatakrebs-Portfolio.

Tecvayli: Zulassung in Europa erweitert

Schon am Freitag meldete J&J eine Entscheidung der Europäischen Kommission. Tecvayli darf als Monotherapie nun bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom eingesetzt werden, die mindestens eine Vorbehandlung hatten. Bisher war das Mittel erst nach drei Therapielinien zugelassen.

Die Entscheidung stützt sich auf Phase-3-Daten. Das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod sank um 71 Prozent, das Sterberisiko um 40 Prozent, jeweils im Vergleich zur Standardtherapie. Das Dosierschema wird einfacher: Ab Monat 7 genügt eine monatliche Gabe, geeignete Patienten können schon ab Monat 3 wechseln.

Im August hatte die EU-Behörde bereits die Kombination mit Daratumumab für die zweite Therapielinie genehmigt. Onkologiechef Yusri Elsayed sieht Teclistamab damit als mögliche Basistherapie beim ersten Rückfall.

Aktie gibt leicht nach

An der Börse spiegelte sich die Nachrichtenlage zunächst nicht in Kursgewinnen. Die Aktie schloss am Freitag bei 263,81 Dollar, ein Minus von 1,4 Prozent. Zuvor hatte sie am Donnerstag um knapp 4 Prozent zugelegt. Wie der Markt die ESMO-Daten am Montag einpreist, zeigt sich zum nächsten Handelstag.