Das Übernahmeangebot liegt auf dem Tisch, aber der Markt spielt sein eigenes Spiel. Bei Klöckner & Co positionieren sich Investoren für den nächsten Akt der Übernahme durch Worthington Steel. Die Aktie notiert beharrlich über der offiziellen Offerte.
Aktuell kostet das Papier 12,54 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus damit auf rund 53 Prozent. Das ist kein Zufall, denn das Angebot der US-Amerikaner liegt lediglich bei 11,00 Euro. Marktbeobachter werten den Aufschlag als Wette auf eine höhere Abfindung.
Ein möglicher Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag erfordert eine neue fundamentale Unternehmensbewertung. Das operative Ergebnis von 171 Millionen Euro im vergangenen Jahr stützt die Erwartung der Aktionäre auf einen Nachschlag. Worthington Steel prüft nach Abschluss der Transaktion strukturelle Maßnahmen. Diese Optionen reichen von der vollständigen Eingliederung bis hin zu einem Delisting oder Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre.
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Zölle und Fondsmanager
Im Hintergrund sortieren institutionelle Investoren ihre Portfolios neu. Goldman Sachs hält weiterhin signifikante Anteile an dem Stahlhändler. Auf der anderen Seite vollzieht die DWS einen radikalen Schnitt. Der Fondsriese reduzierte seine direkten Stimmrechte zuletzt auf minimale 0,01 Prozent.
Parallel dazu ordnet die europäische Politik den Markt neu. In der Nacht zum Dienstag einigten sich EU-Staaten und Parlament auf strengere Importregeln. Das zollfreie Kontingent für Stahlimporte sinkt auf jährlich 18,3 Millionen Tonnen. Übersteigen die Einfuhren diese Grenze, greift ein Strafzoll von 50 Prozent. Diese Verschärfung dürfte die Margen europäischer Distributoren gegen Dumpingimporte absichern.
US-Geschäft federt Risiken ab
Ein weiterer Vorteil für Klöckner ist die Struktur des nordamerikanischen Geschäfts. Der Konzern erwirtschaftet dort rund die Hälfte seines Umsatzes. Da das Unternehmen den Stahl lokal einkauft und verkauft, laufen US-Strafzölle weitgehend ins Leere. Niedrige Einkaufspreise in der Vergangenheit treffen nun auf ein gestiegenes Preisniveau in den USA.
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Das Management rechnet für das zweite und dritte Quartal folglich mit steigenden Gewinnen. Der Fokus auf margenstärkere Produkte zahlt sich aus. Zuletzt kletterte der Anteil dieses höherwertigen Segments auf 87 Prozent.
Bewährungsprobe im Mai
Am 6. Mai präsentiert Klöckner die Zahlen für das erste Quartal. Es ist der erste operative Bericht unter der neuen Mehrheitseigentümerschaft und liefert Hinweise zur Integration in das nordamerikanische Netzwerk. Kurz darauf folgt die Hauptversammlung, auf der Worthington Steel seine Mehrheit von knapp 59 Prozent erstmals öffentlich ausspielt.
Auf der Agenda steht unter anderem der Vorschlag für eine Dividende von 0,20 Euro je Aktie. Der neue Großaktionär wird die Ausrichtung des Stahlhändlers ab jetzt maßgeblich bestimmen. Den endgültigen Vollzug der Übernahme plant Worthington für die zweite Jahreshälfte.
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