Klöckner: 12,58 Euro — 14 Prozent über Gebot

Klöckner & Co notiert deutlich über dem Übernahmeangebot von Worthington Steel. Investoren spekulieren auf einen höheren Kaufpreis.

Klöckner Aktie
Kurz & knapp:
  • Aktie übertrifft Angebot von 11 Euro
  • Hoffnung auf höhere Abfindung
  • EU verschärft Stahlimportregeln
  • US-Geschäft schützt vor Zöllen

Das Übernahmeangebot liegt auf dem Tisch, aber der Markt spielt sein eigenes Spiel. Bei Klöckner & Co positionieren sich Investoren für den nächsten Akt der Übernahme durch Worthington Steel. Die Aktie notiert beharrlich über der offiziellen Offerte.

Aktuell kostet das Papier 12,54 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus damit auf rund 53 Prozent. Das ist kein Zufall, denn das Angebot der US-Amerikaner liegt lediglich bei 11,00 Euro. Marktbeobachter werten den Aufschlag als Wette auf eine höhere Abfindung.

Ein möglicher Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag erfordert eine neue fundamentale Unternehmensbewertung. Das operative Ergebnis von 171 Millionen Euro im vergangenen Jahr stützt die Erwartung der Aktionäre auf einen Nachschlag. Worthington Steel prüft nach Abschluss der Transaktion strukturelle Maßnahmen. Diese Optionen reichen von der vollständigen Eingliederung bis hin zu einem Delisting oder Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre.

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Zölle und Fondsmanager

Im Hintergrund sortieren institutionelle Investoren ihre Portfolios neu. Goldman Sachs hält weiterhin signifikante Anteile an dem Stahlhändler. Auf der anderen Seite vollzieht die DWS einen radikalen Schnitt. Der Fondsriese reduzierte seine direkten Stimmrechte zuletzt auf minimale 0,01 Prozent.

Parallel dazu ordnet die europäische Politik den Markt neu. In der Nacht zum Dienstag einigten sich EU-Staaten und Parlament auf strengere Importregeln. Das zollfreie Kontingent für Stahlimporte sinkt auf jährlich 18,3 Millionen Tonnen. Übersteigen die Einfuhren diese Grenze, greift ein Strafzoll von 50 Prozent. Diese Verschärfung dürfte die Margen europäischer Distributoren gegen Dumpingimporte absichern.

US-Geschäft federt Risiken ab

Ein weiterer Vorteil für Klöckner ist die Struktur des nordamerikanischen Geschäfts. Der Konzern erwirtschaftet dort rund die Hälfte seines Umsatzes. Da das Unternehmen den Stahl lokal einkauft und verkauft, laufen US-Strafzölle weitgehend ins Leere. Niedrige Einkaufspreise in der Vergangenheit treffen nun auf ein gestiegenes Preisniveau in den USA.

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Das Management rechnet für das zweite und dritte Quartal folglich mit steigenden Gewinnen. Der Fokus auf margenstärkere Produkte zahlt sich aus. Zuletzt kletterte der Anteil dieses höherwertigen Segments auf 87 Prozent.

Bewährungsprobe im Mai

Am 6. Mai präsentiert Klöckner die Zahlen für das erste Quartal. Es ist der erste operative Bericht unter der neuen Mehrheitseigentümerschaft und liefert Hinweise zur Integration in das nordamerikanische Netzwerk. Kurz darauf folgt die Hauptversammlung, auf der Worthington Steel seine Mehrheit von knapp 59 Prozent erstmals öffentlich ausspielt.

Auf der Agenda steht unter anderem der Vorschlag für eine Dividende von 0,20 Euro je Aktie. Der neue Großaktionär wird die Ausrichtung des Stahlhändlers ab jetzt maßgeblich bestimmen. Den endgültigen Vollzug der Übernahme plant Worthington für die zweite Jahreshälfte.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.