Vorstand und Aufsichtsrat der Klöckner & Co SE haben am 22. Juli 2026 ihre gemeinsame begründete Stellungnahme zum laufenden Delisting-Erwerbsangebot der Worthington Steel GmbH vorgelegt. Das Gremium verzichtete dabei auf eine explizite Empfehlung an die Aktionäre, das Angebot von 11,00 Euro je Aktie anzunehmen oder abzulehnen. Während die Führungsebene bei der preislichen Bewertung neutral bleibt, bewertet sie das angestrebte Delisting als im strategischen Interesse des Unternehmens liegend.

Die Offerte der Worthington Steel GmbH, einer Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Worthington Steel, Inc., zielt auf den vollständigen Rückzug der Aktie von der Börse ab. Das Angebot enthält laut einer früheren Ad-hoc-Mitteilung des Bieters keine Vollzugsbedingungen.

Annahmefrist und Marktbewertung im Kontrast

Die Annahmefrist für die Aktionäre hat nach der Gestattung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 15. Juli 2026 begonnen. Anteilseigner haben laut Unternehmensangaben bis zum 12. August 2026 um 24:00 Uhr Zeit, sich für oder gegen eine Andienung ihrer Papiere zu entscheiden.

Dabei zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen dem gebotenen Preis und der aktuellen Bewertung am Aktienmarkt. Während Worthington eine Barabfindung von 11,00 Euro pro Aktie offeriert, notiert der Wert aktuell bei 12,32 Euro. Damit liegt der Börsenkurs signifikant über dem Niveau des Übernahmeangebots. Diese Entwicklung ist Teil eines positiven Trends im laufenden Kalenderjahr: Seit Jahresbeginn konnte die Aktie um 51,72 Prozent zulegen.

Analysten raten zur Abwägung

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Stellungnahme der Gremien befasste sich auch die Analyseabteilung der Deutschen Bank mit dem Wert. Analyst Lars Vom-Cleff belässt die Einstufung für Klöckner in seiner Studie vom 23. Juli 2026 auf „Hold“ mit einem Kursziel von 11,00 Euro. Der Analyst weist darauf hin, dass Aktionäre vor der Herausforderung stehen, zwischen der garantierten Barabfindung und dem Verbleib als Minderheitsaktionär in einem nicht mehr börsennotierten Unternehmen abzuwägen.

Die strategische Neuausrichtung unter Worthington Steel zeichnete sich bereits im Frühjahr ab. Ende März 2026 kündigte der US-Konzern an, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Klöckner & Co SE abschließen zu wollen. Operativ konnte das Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf überzeugen. In der Zwischenmitteilung zum ersten Quartal 2026 wurde eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses (EBITDA) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ausgewiesen.

Ausblick auf den Halbjahresbericht

Für die Anleger steht bereits der nächste wichtige Termin fest. Am 5. August 2026 plant Klöckner die Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Diese Zahlen werden voraussichtlich weitere Details zur wirtschaftlichen Verfassung des Stahlhändlers liefern, dessen Marktkapitalisierung aktuell bei 1,23 Milliarden Euro liegt.

Zuletzt hatten die Aktionäre auf der ordentlichen Hauptversammlung am 20. Mai 2026 eine Dividende von 0,20 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen. Die Auszahlung dieser Gewinnbeteiligung erfolgte bereits Ende Mai, womit dieser Faktor in der aktuellen Bewertung bereits berücksichtigt ist. Die kommenden Wochen bis zum Ende der Annahmefrist Mitte August werden nun zeigen, in welchem Umfang die Aktionäre das Angebot von Worthington trotz des höheren Marktkurses annehmen werden.