KNDS steht vor den wichtigsten Wochen der Unternehmensgeschichte. Der deutsch-französische Rüstungskonzern plant im Juli seinen Börsengang in Frankfurt und Paris. Parallel dazu entscheidet die US-Armee über einen gigantischen Auftrag für Panzerhaubitzen. Ein Zuschlag in Amerika könnte die Nachfrage nach den Aktien massiv anheizen.

Staatliche Kontrolle bleibt

Der Zeitplan ist eng. Spätestens am 13. Juli soll der Handel starten. Privatanleger bleiben allerdings außen vor. Die Aktien gehen ausschließlich an institutionelle Investoren. KNDS nimmt dabei kein frisches Kapital ein. Es handelt sich um einen reinen Verkauf bestehender Anteile.

Die künftige Eigentümerstruktur birgt Diskussionsstoff. Die staatliche französische GIAT und die deutsche KfW halten künftig jeweils 40 Prozent. Lediglich ein Fünftel fließt in den Streubesitz. Berlin und Paris haben sich zudem ein gegenseitiges Vetorecht gesichert. Keine Seite darf ihren Anteil für ein ganzes Jahrzehnt unter die Marke von 30 Prozent senken.

Das Ziel: Strategische Kontrolle. Für Investoren bedeutet das handfeste Einschränkungen. Die Dividendenpolitik richtet sich künftig nach den Haushaltsplänen der Regierungen. Um Aktionäre dennoch langfristig zu binden, lockt KNDS ab 2027 mit einer Ausschüttungsquote von rund 40 Prozent. Wer seine Papiere zwei Jahre hält, erhält zudem doppelte Stimmrechte.

Volle Auftragsbücher, schwaches Umfeld

Finanziell präsentiert sich der Konzern robust. Das Orderbuch ist mit 33,1 Milliarden Euro prall gefüllt. Das entspricht mehr als dem Siebenfachen des vergangenen Jahresumsatzes. Im Vorjahr erwirtschaftete KNDS 4,4 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 15 Prozent.

Für 2026 peilt das Management ein Umsatzplus von rund 30 Prozent an. Ein Selbstläufer wird das Börsendebüt trotzdem nicht. Rüstungsaktien stehen europaweit unter Druck. Der Konkurrent Rheinmetall verlor in diesem Jahr bereits rund ein Viertel seines Börsenwerts. Auch der tschechische Rüstungsbauer Czechoslovak Group büßte seit seinem Amsterdamer Börsengang im Januar etwa 35 Prozent ein. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.

Der amerikanische Joker

Die schwache Branchenstimmung drückt die Preiserwartungen. Medienberichten zufolge taxiert der Markt KNDS aktuell auf 15 bis 18 Milliarden Euro. Frühere Schätzungen lagen noch bei rund 25 Milliarden Euro. Den endgültigen Preis legen die begleitenden Banken nach Schließung der Orderbücher fest.

Der Joker in diesem Szenario ist die US-Armee. Sie sucht einen Lieferanten für bis zu 500 mobile Haubitzen. KNDS schickt gemeinsam mit dem Partner Leonardo DRS sein Erfolgsmodell CAESAR ins Rennen. Die Konkurrenz ist hart. Hanwha, Rheinmetall und Elbit America kämpfen ebenfalls um den Auftrag.

Die Entscheidung fällt voraussichtlich im Juli. Ein Sieg würde KNDS den Zugang zum größten Rüstungsmarkt der Welt öffnen. Fällt der Zuschlag exakt in die Zeichnungsfrist des Börsengangs, hätte das Management das perfekte Verkaufsargument für seine Aktien.