KNDS bekommt kurz vor dem geplanten Börsengang ein starkes Signal aus dem Artilleriegeschäft. Die RCH 155 taucht nun in Beschaffungsprozessen in den USA, Kanada und Großbritannien auf — teils als Angebot, teils bereits mit festem Auftrag. Damit rückt weniger die IPO-Mechanik in den Vordergrund, sondern die Fähigkeit, Nachfrage in Produktion und Umsatz zu übersetzen.
Artillerie rückt ins Zentrum
American Rheinmetall bietet die RCH 155 gemeinsam mit KNDS als Lösung für das Mobile Tactical Cannon-Programm der U.S. Army an. Ein unterschriebener Vertrag ist das nicht. Der Schritt bringt das System aber in eine der wichtigsten Modernisierungslinien des Pentagon.
Die vollautomatisierte 155-mm-Haubitze kann mehr als acht Schuss pro Minute abgeben und Ziele in bis zu 54 Kilometern Entfernung treffen. Der Kern des Konzepts: hohe Feuerkraft, schnelle Stellungswechsel und Schutz der Besatzung in einer gepanzerten Kapsel.
Für die Börsenstory ist das wichtig. Die Diskussion dreht sich nicht mehr nur um Zeitplan, Bewertung und Aktionärsstruktur. KNDS kann nun auf konkrete Produktnachfrage in mehreren NATO-Märkten verweisen.
Auch Kanada kommt hinzu. Auf der Rüstungsmesse CANSEC 2026 in Ottawa stellte General Dynamics Land Systems–Canada den Grizzly LAV 155 auf Basis eines modifizierten LAV 6.0 vor. KNDS Deutschland liefert dafür das Geschütz.
Auch hier gibt es noch keinen Zuschlag. Der Grizzly wird als Kandidat für Kanadas Modernisierung der indirekten Feuerunterstützung positioniert. Für KNDS entsteht damit ein zweiter nordamerikanischer Hebel neben dem US-Programm.
Großbritannien liefert den festen Auftrag
Handfester ist die Lage in Großbritannien. Dort werden 72 RCH 155 im Rahmen eines Vertrags über knapp eine Milliarde Pfund beschafft. Der Auftrag umfasst auch erste Ausbildung und Unterstützung im laufenden Betrieb.
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Vergeben wurde er von OCCAR im Namen der British Army an ARTEC, das Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall. Erste Lieferungen sind ab 2028 geplant.
Der Auftrag hat auch industriepolitisches Gewicht. Das Boxer-Fahrmodul mit Chassis, Motor und Antriebsstrang entsteht bei KNDS UK in Stockport. Das Programm soll 100 neue qualifizierte Stellen bei Rheinmetall in Telford, 100 bei KNDS in Stockport und 300 in der britischen Zulieferkette schaffen.
Bewertung sinkt, Auftragsbuch wächst
Die operative Basis wirkt bereits deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren. KNDS erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro, ein Plus von knapp 16 Prozent.
Damit bekommt die geplante Doppelnotierung in Frankfurt und Paris einen klareren Unterbau. Die Nachfrage ist sichtbar, der politische Rückenwind im Verteidigungssektor bleibt hoch.
Das operative Ergebnis erreichte 661 Millionen Euro. Die Marge stieg von 13,2 auf 15 Prozent.
Bei den Auftragseingängen legte KNDS noch stärker zu. Neuaufträge von 13,5 Milliarden Euro kamen hinzu, darunter mehr als 300 Leopard 2A8 für Tschechien, die Niederlande und Kroatien sowie Caesar-Haubitzen.
Der Auftragsbestand lag bei 33,1 Milliarden Euro. Ende 2024 waren es noch 23,5 Milliarden Euro.
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Beim Börsengang bleibt der Zeitplan auf 2026 ausgerichtet. Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale haben die Bewertungsspanne aber von ursprünglich 25 Milliarden Euro auf 18 bis 20 Milliarden Euro gesenkt.
Der deutsche Staat plant den Einstieg über die KfW mit 40 Prozent zum IPO-Preis. Später soll der Anteil binnen zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent sinken.
Der Streubesitz wäre damit eng. Nur 20 Prozent des Kapitals sollen frei platziert werden, was einige institutionelle Investoren bremsen könnte.
Als bevorzugte Fenster gelten Juni oder Juli. September bleibt als Ausweichtermin im Plan.
Autohallen sollen Rüstungswerke werden
Parallel arbeitet KNDS an der Kapazitätsfrage. Vorstandschef Jean-Paul Alary bestätigte Ende Mai Gespräche mit Volkswagen und Mercedes-Benz über Werke in Osnabrück und Ludwigsfelde.
Besonders konkret wirkt der Plan für den Mercedes-Standort nahe Berlin. Dort könnten zunächst Sprinter-Transporter auf einer Linie weiterlaufen, während auf einer anderen Boxer-Fahrzeuge entstehen.
Auch die Gespräche mit Volkswagen über Osnabrück laufen weiter. VW-Chef Oliver Blume bezeichnete sie als „vielversprechend“.
Damit schiebt sich die nächste Hürde klar nach vorn: KNDS muss aus einem prall gefüllten Auftragsbuch lieferfähige Programme machen. Bis zum Börsendebüt zählt deshalb nicht nur die Nachfrage nach der RCH 155, sondern auch der Nachweis, dass neue Produktionsflächen schnell genug in industrielle Schlagkraft verwandelt werden können.
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