KNDS zieht die Notbremse. Der Panzerbauer verschiebt seinen geplanten Doppel-Börsengang in Frankfurt und Paris auf unbestimmte Zeit. Für die deutsche Bundesregierung ist das mehr als eine Randnotiz: Der Einstieg der KfW mit 40 Prozent hängt direkt am Börsenkurs — und der existiert nun nicht.

Die KfW wartet auf einen Preis, den es nicht gibt

Ende Juni hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags grünes Licht gegeben. Die KfW sollte bis zu 7,2 Milliarden Euro bereitstellen, um 40 Prozent an KNDS zu übernehmen. Der Haken: Der Einstiegspreis sollte sich am Ausgabekurs der Börsennotierung orientieren.

Ohne IPO fehlt dieser Referenzwert komplett. Finanzanalysten sprachen am 9. Juli von einer „Kein Listing, kein Einstieg“-Klausel. Sie blockiert Berlins Versuch, neben dem französischen Staat als Ankeraktionär aufzutreten. Haushaltspolitiker im Bundestag werten den Stillstand als herben Rückschlag für die deutsche Rüstungsstrategie.

Der Markt will Lieferungen sehen, keine Gipfeltreffen

Der NATO-Gipfel in Ankara brachte in dieser Woche ein 50-Milliarden-Dollar-Programm für „Deep Strike Weapons“ hervor. Die Rüstungsbranche reagierte trotzdem verhalten. Institutionelle Investoren richten ihren Blick offenbar lieber auf Auftragsausführung als auf politische Ankündigungen.

Rheinmetall-Aktien fielen am 9. Juli um rund 4 Prozent. Bei KNDS zeigt sich der gleiche Graben: Institutionelle Bieter wollten offenbar keine Bewertung über 12 Milliarden Euro mittragen. Die Gründerfamilien als Hauptaktionäre bestehen dagegen auf einer Preisuntergrenze von 12,5 Milliarden Euro.

Der Rheinmetall-Effekt drückt die Bewertung

Ein zweiter Schock kam Ende Juni von Rheinmetall selbst. Nach der Absage des F126-Fregattenprogramms brach die Aktie an einem einzigen Handelstag um 19 Prozent ein. Rheinmetall dient als engster börsennotierter Vergleichswert für das KNDS-Bewertungsmodell — der Absturz zog die eigene Preisfindung direkt in Mitleidenschaft.

Marktbeobachter sehen darin einen veränderten Blick auf die gesamte Branche. Die Frage lautet nicht mehr, wie viele Milliarden an Verteidigungsausgaben angekündigt werden. Sie lautet, wie schnell diese Ankündigungen zu echtem Cashflow werden. Der prall gefüllte Auftragsbestand von KNDS liefert zwar langfristige Sicherheit. Er steht aber im Kontrast zu Deutschlands schleppenden Beschaffungsprozessen und schwankenden Verteidigungshaushalten.

Ein Testfall für das Rüstungs-Finanzierungsmodell

Die Blockade prüft gerade, ob das private-öffentliche Finanzierungsmodell für die europäische Aufrüstung überhaupt trägt. KNDS selbst kündigte an, die Marktlage weiter zu beobachten und ein neues Zeitfenster für den Börsengang zu suchen. Eine erneute Notierung dürfte aber kaum ohne eine deutliche Neubewertung des Auftragsbestands gelingen.

Ein möglicher Auslöser für einen neuen Anlauf: der Abschluss des Boxer-Programms mit mehreren tausend Fahrzeugen. Genau solche konkreten Lieferdaten fordert der Markt derzeit ein. Bis dahin bleibt die geteilte Führungsstruktur zwischen Paris und Berlin in der Schwebe.