Volkswagen und Mercedes-Benz schließen Werke — KNDS will die Hallen übernehmen und Panzer darin bauen. Der europäische Rüstungskonzern verhandelt aktiv über zwei brachliegende Standorte in Deutschland, um seinen explodierenden Auftragsbestand abzuarbeiten.
Milliarden-Investition in Ludwigsfelde
Das Mercedes-Werk in Ludwigsfelde südlich von Berlin ist das konkretere Ziel. KNDS plant dort rund eine Milliarde Euro in neue Produktionslinien zu investieren. In einer Übergangsphase soll das Gelände zunächst teilweise gemietet werden, sodass Militärfahrzeuge und zivile Transporter parallel vom Band laufen — bis Mercedes seine Fertigung bis 2030 nach Polen verlagert. Rund 2.000 Beschäftigte sollen zum Rüstungskonzern wechseln.
Beim zweiten Standort, dem Volkswagen-Werk in Osnabrück, ist die Lage weniger eindeutig. Die Produktion dort endet 2027, doch KNDS hat Konkurrenz: Das israelische Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems unterzeichnete bereits im April eine Absichtserklärung für das Gelände.
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Auftragsbuch als Treiber
Hinter dem Expansionsdrang steckt ein handfestes Kapazitätsproblem. Das Auftragsbuch wuchs bis Ende 2025 auf 33,1 Milliarden Euro — ein Jahr zuvor waren es noch 23,5 Milliarden. Allein die Neuaufträge beliefen sich auf 13,5 Milliarden Euro, getragen von mehr als 300 Leopard-2-A8-Panzern für Tschechien, die Niederlande und Kroatien sowie stark gestiegener Nachfrage nach dem Caesar-Panzerhaubitzensystem.
Die Finanzzahlen für 2025 spiegeln diesen Rückenwind. Der Umsatz stieg um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte von 500 auf 661 Millionen Euro. Die EBIT-Marge weitete sich auf 15,0 Prozent aus. Alle drei Segmente — Land Systems Germany, Land Systems France und Munition — legten zweistellig zu, am stärksten die Munitionssparte mit einem Plus von 24,7 Prozent.
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IPO-Weg wird freier
Die Kapazitätsoffensive fällt in eine entscheidende Phase für KNDS: Das Unternehmen bereitet ein Dual-Listing in Frankfurt und Paris vor, angepeilt für Juni oder Juli 2026. Deutschland will dabei wie Frankreich einen Anteil von 40 Prozent erwerben, beide Regierungen planen ihre Beteiligungen anschließend innerhalb von zwei bis drei Jahren auf je rund 30 Prozent zu reduzieren.
Ein zentrales Hindernis war bislang die Prüfung der Jahresabschlüsse durch PwC — Voraussetzung für die Einreichung des Wertpapierprospekts. Eine unabhängige Untersuchung eines Rüstungsdeals mit Katar aus dem Jahr 2013, der 24 Panzerhaubitzen PzH 2000, 62 Leopard-2-Panzer und Ausrüstung umfasste, hatte die Prüfung blockiert. Inzwischen ist die Untersuchung weit genug fortgeschritten, um den Abschluss des Audits zu ermöglichen. Der Börsengang im Sommer rückt damit einen Schritt näher.
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