Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS geht Mitte Juli an die Börse. Das Management steht dabei vor einem Luxusproblem. Die Nachfrage explodiert, aber die industriellen Kapazitäten fehlen.

Die Auftragsbücher waren Ende 2025 mit über 33 Milliarden Euro prall gefüllt. Das entspricht mehr als dem Siebenfachen des damaligen Jahresumsatzes. Für das laufende Jahr peilt der Vorstand ein massives Umsatzplus an. Die Folge: KNDS kann seine Panzer schlicht nicht schnell genug bauen.

Pakt mit der Autoindustrie

Um die Produktion hochzufahren, greift CEO Jean-Paul Alary zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. KNDS verhandelt mit Volkswagen und Mercedes-Benz über die Übernahme ehemaliger Autowerke. Allein die Nachfrage nach dem Radpanzer Boxer soll sich bis 2030 versechsfachen.

Am Mercedes-Standort in Berlin könnten bald Sprinter und Boxer-Panzer parallel vom Band rollen. Später will KNDS das Werk komplett übernehmen. Rund 2.000 Mitarbeiter würden wechseln. Das Unternehmen plant dort Investitionen von etwa einer Milliarde Euro.

In Osnabrück ist die Lage komplizierter. Der israelische Konkurrent Rafael hat bereits eine Absichtserklärung für das dortige VW-Werk unterzeichnet. Die Autoproduktion läuft an diesem Standort bis 2027 aus.

Margendruck durch Expansion

Der massive Ausbau kostet Geld. Die operative Marge dürfte im laufenden Jahr auf etwa 12 Prozent sinken. KNDS investiert stark in neue Anlagen. Allein die Sachinvestitionen verschlingen rund 750 Millionen Euro.

Mittelfristig will der Konzern zweistellige Milliardenumsätze erreichen. Die Profitabilität soll dann wieder steigen. Der anstehende Börsengang spült allerdings kein frisches Kapital in die Kassen. Die Altaktionäre verkaufen lediglich bis zu 20 Prozent ihrer Anteile.

Bewährungsprobe im Juli

Das Marktumfeld für Rüstungsaktien hat sich zuletzt deutlich abgekühlt. Der direkte Konkurrent Rheinmetall verlor dieses Jahr bereits ein Viertel seines Börsenwerts. KNDS strebt beim Börsendebüt dennoch eine Bewertung von bis zu 15 Milliarden Euro an.

Ein konkreter Kurstreiber steht bereits fest. Im Juli vergibt die US-Armee einen Großauftrag über 500 Panzerhaubitzen. Der Zuschlag fällt genau in das Zeitfenster des Börsengangs. Sichert sich KNDS diesen Deal, liefert das ein starkes Argument für die ambitionierte Milliardenbewertung.