Knorr-Bremse trennt sich von einem ganzen Geschäftsbereich – und der Aktienkurs zuckt kaum. Das passt zu einem Titel, der charttechnisch längst im Aufwärtstrend steckt, fundamental aber schon ordentlich Vorschusslorbeeren verteilt bekommt.

Merak wandert zu OpenGate Capital

Der Münchener Bremsen- und Bahntechnikkonzern verkauft seine Sparte Merak, die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik für Schienenfahrzeuge herstellt, an die Private-Equity-Gesellschaft OpenGate Capital. Eine endgültige Vereinbarung ist unterzeichnet, den Kaufpreis nennt Knorr-Bremse nicht. Merak beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter und soll dieses Jahr etwa 360 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.

Der Abschluss der Transaktion wird zum Jahresende 2026 erwartet, vorbehaltlich der üblichen behördlichen Genehmigungen. Knorr-Bremse begründet den Schritt mit dem Strategieprogramm „Boost“: Das Portfolio soll geschärft, der Fokus stärker auf technologische Kernkompetenzen und profitables Wachstum gelegt werden. Der Konzern rechnet damit, dass sich der Verkauf positiv auf die operative EBIT-Marge der Sparte Knorr-Bremse Rail und damit auf den Gesamtkonzern auswirkt.

An der Börse sorgte die Nachricht für keine große Bewegung. Die Aktie notierte im XETRA-Handel zeitweise nur leicht höher bei 107,60 Euro. Ein Verkauf dieser Größenordnung ohne Kurssprung – das deutet darauf hin, dass der Markt die Portfoliobereinigung bereits erwartet oder als margenseitig eher kleinen Baustein einordnet.

Chart bleibt bullisch, Bewertung wird ambitioniert

Charttechnisch zeigt sich ein anderes Bild als das ruhige Nachrichtenumfeld vermuten lässt. Die Aktie behauptet sich sowohl im Wochen- als auch im Tageschart oberhalb ihrer 20-Wochen-Linie, aktuell bei 102,61 Euro. Nach dem Mehrjahreshoch von 115,50 Euro im Februar 2026 und einem Rücksetzer an die Marke von 100 Euro hat sich der Titel in den vergangenen Wochen wieder stabilisiert.

Bleibt die Aktie über der SMA20, gelten das Februar-Hoch und der Bereich um 120 Euro als nächste Kursziele. Fällt der Titel darunter, dürfte die SMA50 bei 96,05 Euro als nächste Unterstützung greifen. Fundamental wirkt die Bewertung inzwischen sportlich: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 30 ist ein gutes Stück an künftigem Wachstum bereits eingepreist.

Der Merak-Verkauf soll bis Ende des Jahres über die Bühne gehen und dann direkt in der Konzernmarge sichtbar werden. Bis dahin entscheidet vor allem der Chart, wie viel Vertrauen der Markt der Strategie noch vorschießt – solange die SMA20 hält, bleibt der Trend nach oben intakt.