Zehn Tage vor Ablauf des Übernahmeangebots meldet sich ein neuer Großaktionär bei Kontron zu Wort. Goldman Sachs hat seine Position am TecDAX-Unternehmen deutlich ausgebaut — mitten im laufenden Übernahmeverfahren durch den taiwanesischen Konzern Ennoconn.
Goldman Sachs überschreitet 5-Prozent-Marke
Laut einer Stimmrechtsmitteilung vom Mittwochabend hält die Goldman Sachs Group nun 5,13 Prozent an Kontron. Zuvor lag der Anteil bei 4,39 Prozent. Die Bank überschritt die wichtige 5-Prozent-Schwelle bereits am 13. Juli.
Die Beteiligung setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Direkte Stimmrechte machen nur 0,46 Prozent aus, das entspricht 291.583 Aktien. Der weit größere Teil, 4,68 Prozent, entfällt auf Finanzinstrumente. Dieser Ausbau fällt in eine Phase, in der sich die Aktionärsstruktur des Unternehmens gerade neu ordnet.
Vorstand lehnt Angebot ab
Der Einstieg von Goldman Sachs trifft zeitlich mit dem Pflichtangebot der Ennoconn Corporation zusammen. Die Taiwaner bieten Kontron-Aktionären 23,50 Euro je Aktie in bar. Die Frist läuft noch bis zum 27. Juli.
Vorstand und Aufsichtsrat lehnen das Angebot klar ab. Sie bezeichnen die Offerte als „finanziell nicht angemessen“. Die Bewertung liege deutlich unter aktuellen Analysten-Kurszielen und berücksichtige die langfristigen Wachstumschancen im IoT- und Industrie-4.0-Geschäft nicht ausreichend.
Markt bleibt skeptisch
Der Aktienkurs spiegelt diese Zurückhaltung wider. Mit 22,98 Euro notiert die Aktie leicht unter dem Angebotspreis. Das Ennoconn-Angebot wirkt damit wie eine Art Kursboden, während die Ablehnung durch das Management einen deutlichen Sprung darüber bislang verhindert.
Der RSI von 45,2 zeigt eine neutrale Marktstimmung — weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale. Zum 52-Wochen-Hoch von 28,66 Euro fehlen der Aktie aktuell knapp 20 Prozent.
Entscheidende Tage bis Fristende
Die kommenden zehn Tage werden für Kontron-Aktionäre entscheidend. Bleibt die Annahmequote bis zum 27. Juli niedrig, könnte das den Druck auf Ennoconn erhöhen. Das Management sieht darin eine Bestätigung für die Eigenständigkeit des Unternehmens.
Zusätzliche Impulse könnte der Halbjahresbericht liefern, den Kontron für den 6. August plant. Investoren richten den Blick dabei besonders auf den Free Cashflow und die Auftragseingänge im Segment Smart-Transportation. Diese Zahlen dürften zeigen, ob die operative Entwicklung die Argumentation des Vorstands gegen eine Übernahme zum aktuellen Preis stützt.
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