Kratos Defense & Security Solutions treibt die vertikale Integration seiner Antriebs- und Hyperschallsparten massiv voran. Gestern gab das Unternehmen bekannt, Rangeview Inc. aus El Segundo für die Entwicklung fortschrittlicher Gusskomponenten für Turbinentriebwerke ausgewählt zu haben. Diese Partnerschaft soll eine kritische Lücke in der US-amerikanischen Gussindustrie schließen, die vom Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten als strategischer Engpass identifiziert wurde.

Strategische Partnerschaft für die US-Lieferkette

Das finanzierte Entwicklungsprojekt sieht vor, dass Rangeview flugqualifizierte Superlegierungs-Hardware mit deutlich verkürzten Vorlaufzeiten liefert. Laut Russ Jones, Chief Engineer bei Kratos, ermöglicht die eingesetzte Technologie die Herstellung komplexer Geometrien, für die bisher aufwendige Verfahren wie Laser-Pulverbetten notwendig waren. Diese Effizienzsteigerung ist ein zentraler Baustein für die geplante Großserienproduktion von Jet-Triebwerken, die in Drohnen und Raketen zum Einsatz kommen sollen.

Stacey Rock, Präsidentin der Turbine Technologies Division bei Kratos, bezeichnete die Kooperation als wichtigen Meilenstein. Das Unternehmen bereitet derzeit den Produktionsausbau für seine Spartan-Triebwerke vor und nutzt dafür eine rund 50.000 Quadratfuß große Anlage in Bristow, Oklahoma. Ziel ist es, die Herstellung kostengünstiger und skalierbarer Antriebssysteme für moderne Verteidigungssysteme zu sichern.

Ausbau der Hyperschall- und Triebwerkskapazitäten

Parallel zur Stärkung der Zuliefererkette konnte Kratos gestern weitere operative Erfolge vermelden. In Crane, Indiana, wurde die neue Payload Integration Facility für Hyperschallsysteme vorzeitig fertiggestellt. Die rund 50 Millionen US-Dollar teure Anlage ermöglicht das gleichzeitige Testen von bis zu sechs Nutzlasten und unterstützt damit die behördenübergreifenden Testinitiativen für moderne Waffensysteme.

Zudem lieferte Kratos fortschrittliche Turbomaschinen an Lockheed Martin aus. Diese Komponenten sind Bestandteil eines Ramjet-Antriebssystems, das kinetische Energie während des Fluges in mechanische und elektrische Energie umwandelt. Das System hat bereits erfolgreiche Bodentests mit der US Army abgeschlossen. Diese technologischen Fortschritte positionieren Kratos auch im prestigeträchtigen Collaborative Combat Aircraft (CCA) Programm der US Air Force, in dem das Unternehmen gemeinsam mit GE Aerospace an Triebwerken der Gewichtsklasse von 1.400 bis 1.600 Pfund Schub arbeitet.

Analystenstimmen und Marktpositionierung

Die Aktie von Kratos Defense reagierte heute positiv auf die Nachrichtenlage und legte um 1,76 % auf 40,74 € zu. Dennoch bleibt die kurzfristige Bilanz belastet: Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert ein Minus von 37,78 %. Experten bewerten die langfristigen Perspektiven jedoch weiterhin konstruktiv. Während das Analysehaus BTIG ein Kursziel von 100 US-Dollar ausgibt und die Einstufung auf „Buy“ belässt, zeigt sich Piper Sandler etwas zurückhaltender. Die Analysten dort senkten ihr Kursziel auf 75 US-Dollar und bewerten das Papier mit „Neutral“.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte Kratos den Umsatz im ersten Quartal 2026 um 22,6 % auf 371 Millionen US-Dollar steigern und übertraf damit die Erwartungen der Marktteilnehmer. Mit einem Auftragsbestand, der durch neue Großprojekte wie das „Project Solar Shield“ gestärkt wurde, fokussiert sich das Management nun auf die Skalierung der Fertigung, um die hohe Nachfrage des US-Staatssektors zu bedienen, der für rund 68 % des Gesamtumsatzes verantwortlich ist.