Ein Kalibergwerk, das noch bis 2060 produzieren soll – und dafür jetzt technisch komplett umgekrempelt wird. K+S hat am Standort Wintershall den Baustart für sein Transformationsprojekt Werra 2060 verkündet. Die Botschaft dahinter: Wer im hessisch-thüringischen Grenzgebiet weiter Kali und Magnesium fördern will, muss die Produktion grundlegend sauberer machen.

Trockenes Verfahren ersetzt Salzlauge

Im Zentrum steht ein rund 600 Millionen Euro teurer Umbau eines bestehenden Gebäudes am Werk Werra, in dem Kalirohsalz aufbereitet wird. Bislang läuft das größtenteils nass ab – etwa 65 Prozent des Rohsalzes werden in Wasser oder heißer Lösung aufgelöst, um Wertstoffe von Begleitmaterial zu trennen. Dabei entstehen salzhaltige Haldenabwässer, die seit Jahrzehnten für Streit sorgen.

Im Laufe des Jahres 2028 soll stattdessen ein trockenes Verfahren namens elektrostatische Trennung greifen: Partikel werden elektrisch aufgeladen und in einem Spannungsfeld voneinander getrennt. Umweltschädliche Prozessabwässer fallen laut K+S dann nicht mehr an. Der Konzern rechnet mit einer Reduktion der zu entsorgenden Produktionswässer um etwa die Hälfte, während die Aufhaldung am Standort um rund 90 Prozent sinken soll – die Halde wächst damit praktisch nicht mehr weiter.

Vorstandschef Christian Heinrich Meyer sprach bei der Baustellenbegehung von einem künftig weltweit vorbildlichen Werk. Das Werk Werra mit seinen rund 4.400 Beschäftigten deckt nach Unternehmensangaben etwa die Hälfte des EU-Bedarfs an kalium- und magnesiumhaltigen Düngemitteln ab – ein zentraler Baustein für die Versorgungssicherheit europäischer Landwirte. Konzernweit beschäftigt K+S über 11.000 Mitarbeiter, knapp 7.000 davon in Hessen und Thüringen.

Bank of America meldet Schwelle

Parallel zur Werksmeldung ging eine Stimmrechtsmitteilung ein: Bank of America Corporation hat zum 29. Juni 2026 eine Schwelle bei K+S unterschritten. Die Gesamtposition aus Aktien und Instrumenten sank von 5,47 auf 5,21 Prozent der Stimmrechte. Solche Meldungen sind bei institutionellen Investoren mit aktivem Handel in Derivaten und Wertpapierleihen üblich und für sich genommen kein Signal für eine strategische Neuausrichtung.

Der Umbau in Wintershall ist der eigentliche Langfrist-Treiber für die Aktie. Bis zur geplanten Umstellung auf das trockene Verfahren im Jahr 2028 bleibt die Baustelle das sichtbarste Zeichen dafür, wie K+S seinen wichtigsten Produktionsstandort auf die kommenden Jahrzehnte ausrichten will.