Lang & Schwarz hat die Übernahme der P3-finance-Anteile von der P3 group abgeschlossen. Die betroffene Gesellschaft firmiert künftig als Lang & Schwarz Market Technologies GmbH, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Mitarbeiter, Technologie und Infrastruktur des Handelssystems onelink, das seit August 2024 im Einsatz ist, gehen damit vollständig in die Kontrolle von Lang & Schwarz über.

Für den Düsseldorfer Wertpapierhandelskonzern ist der Schritt strategisch bedeutsam. Onelink bildet einen Kernbaustein für die Handelsinfrastruktur, die Lang & Schwarz künftig breiter aufstellen will. Zusätzlich verschafft eine neue Lizenz als Wertpapierinstitut dem Unternehmen weitere Nutzungsmöglichkeiten für seine Technologie – ein Baustein, der über das reine Market Making hinausweist.

Halbjahreszahlen liefern Rückenwind

Die Übernahme fällt in eine Phase, in der Lang & Schwarz operativ deutlich zugelegt hat. Für das erste Halbjahr 2026 wies das Unternehmen ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 71,7 Millionen Euro aus, nach 39,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Der Konzernüberschuss stieg auf 48,4 Millionen Euro von zuvor 26,5 Millionen Euro. Das Ergebnis aus der Handelstätigkeit legte um 54 Prozent auf 98,6 Millionen Euro zu.

Auch im Segment Strukturierte Produkte zeigte sich die Dynamik: Hier stieg das Ergebnis aus der Handelstätigkeit auf rund 30 Millionen Euro, verglichen mit etwa 20 Millionen Euro im Vorjahr.

Parallel emittierte Lang & Schwarz mehr als 75.000 eigene Produkte neu – im Vorjahreszeitraum waren es rund 45.000. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 5,13 Euro nach 2,81 Euro im Vorjahr, bereinigt um Sondereffekte auf 5,20 Euro.

Diese Zahlen bildeten am Mittwoch auch den Rahmen der ordentlichen Hauptversammlung, auf der die Übernahme der onelink-Technologie bekanntgegeben wurde. Die zeitliche Nähe unterstreicht, dass der Konzern die technologische Konsolidierung als Ergänzung zum operativen Wachstum positioniert.

Wettbewerbsumfeld im Wandel

Der Zusammenschluss ist auch vor dem Hintergrund eines sich verändernden Marktumfelds zu sehen. Die Trade Republic Bank hat im Sommer eine neue Handelstechnologie implementiert, was für das börsliche Market Making einen spürbaren Einschnitt bedeutet.

Zudem plant Lang & Schwarz seit dem Frühjahr ein Multi-Market-Maker-Modell, bei dem mehrere Anbieter Liquidität bereitstellen und das hauseigene TradeCenter als einer von mehreren Market Makern auftritt.

In diesem Kontext liest sich die vollständige Kontrolle über onelink als Versuch, die eigene technologische Basis zu verbreitern, bevor sich das Wettbewerbsumfeld weiter verändert.

Ob sich das operative Momentum der ersten Jahreshälfte am Markt in eine nachhaltige Neubewertung übersetzt, bleibt für Anleger die entscheidende Frage – zumal die Aktie mit einem Schlusskurs von 18,20 Euro am Freitag weiterhin deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 19,73 Euro notiert. Die technologische Neuaufstellung liefert zumindest einen strukturellen Ansatzpunkt, der über die reinen Handelsergebnisse hinausweist.