Der Faserspezialist Lenzing treibt seine strategische Konsolidierung voran. Neben der Neuausrichtung des Portfolios unter dem Leitsatz „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ prüft das Unternehmen Optionen für einzelne Standorte.

So berichtete der ORF am 22. September, dass sich mehr als 30 Interessenten aus dem In- und Ausland für das Werk in Heiligenkreuz interessieren sollen. Lenzing bestätigte dem Sender gegenüber die Absicht, Gespräche mit Interessenten zu führen.

Kapitalmaßnahme stützt Neuausrichtung

Die Transformation wird von weitreichenden Finanzierungsschritten begleitet. Vor gut einer Woche startete das Unternehmen eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten, seither verlor der Kurs 12,0 Prozent. Die vollständig garantierte Transaktion zielt auf einen Bruttoerlös von rund 300 Millionen Euro ab. Das frische Kapital soll die Bilanzstruktur festigen und die operative Neuausrichtung absichern.

Mit den Mitteln will das Management den Konzernumbau forcieren. Die Strategie sieht vor, das Vliesstoffgeschäft auszubauen und den Textilbereich grundlegend neu zu strukturieren. Zugleich soll die Maßnahme die finanzielle Stabilität in einem von Gegenwind geprägten Marktumfeld stärken.

Für die Aktionäre ist das Vorhaben mit konkreten Fristen verbunden. Der Beschluss sieht die Ausgabe von 34.756.362 neuen Aktien vor. Der Bezugspreis liegt bei 8,65 Euro je Anteilsschein, bei einem Bezugsverhältnis von 10:9. Der Handel der Bezugsrechte an der Wiener Börse endet voraussichtlich am 14. Oktober 2026. Die Bezugsfrist läuft bis einschließlich 20. Oktober 2026, ehe die neuen Aktien nach Firmenbucheintragung voraussichtlich am 23. Oktober 2026 geliefert und gehandelt werden sollen.

Berenberg dämpft Ergebniserwartungen

Am 2. Oktober reagierte die Berenberg Bank auf das anspruchsvolle Umfeld. Analyst Sebastian Bray senkte das Kursziel von 29,50 Euro auf 17,00 Euro und stufte die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ ab. Als wesentlichen Grund nannte die Bank, dass sich höhere Baumwoll- und Viskosepreise bislang nicht wie erhofft im Zahlenwerk niedergeschlagen hätten.

Medienberichten zufolge belasten zudem Kosteninflation, Restrukturierungsrückstellungen und Zweifel an steigenden EBITDA-Konsensschätzungen für 2026 das Sentiment. Die Skepsis am Markt spiegelt die Unsicherheit über das Tempo der operativen Erholung wider.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Am gestrigen Mittwoch schloss die Lenzing-Aktie bei 12,60 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit einen Rückgang von 26 Prozent. Wie stark die Sonderaufwendungen und das Marktumfeld das operative Ergebnis belasten, wird sich in Kürze zeigen: Für den 5. November 2026 hat Lenzing die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 angekündigt.