Das US-Verteidigungsministerium und Lockheed Martin haben gestern eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, um die Produktion der neuen Luft-Luft-Rakete AIM-260 Joint Advanced Tactical Missile (JATM) zügig auszubauen.
Die Vereinbarung setzt ein langfristiges Nachfragesignal für die Lieferkette und dient als Grundlage für künftige mehrjährige Beschaffungsverträge, die noch der Genehmigung durch den US-Kongress bedürfen. Für den US-Rüstungskonzern markiert der Schritt den Übergang des lange geheim gehaltenen Waffensystems in die industrielle Serienfertigung.
Die AIM-260 soll bisherige Flugkörper wie die AMRAAM ablösen und zeichnet sich durch eine geschätzte Reichweite von über 120 Meilen aus. Um den Fertigungsanlauf zu beschleunigen, investiert Lockheed Martin eigenes Kapital in die Kapazitätserweiterung. Ein fester Liefervertrag mit definierten Stückzahlen oder einem garantierten Auftragswert ist mit dem Rahmenabkommen zwar noch nicht verbunden.
Allerdings signalisieren die Planungen der US-Streitkräfte bereits einen deutlichen Budgetanstieg: Der Haushaltsantrag für das Fiskaljahr 2027 sieht rund 2,9 Milliarden US-Dollar für das JATM-Programm vor, nachdem im Vorjahr 894 Millionen US-Dollar veranschlagt worden waren.
Internationale Nachfrage und Lieferketten im Fokus
Neben den US-Streitkräften positioniert sich Australien als erster internationaler Partner. Das Land plant Investitionen im Umfang von rund 736 Millionen australischen Dollar, was etwa 520 Millionen US-Dollar entspricht.
Bereits im März hatten die US-Behörden einen möglichen Verkauf von bis zu 450 Flugkörpern an Australien im Wert von bis zu 3,16 Milliarden US-Dollar genehmigt. Michael P. Duffey, Under Secretary of War for Acquisition and Sustainment, betonte im Zuge der Vereinbarung, dass Geschwindigkeit, Skalierung und Stabilität entscheidende Faktoren für die Beschaffung seien.
Parallel zu den Neuentwicklungen treibt Lockheed Martin auch die Fertigung etablierter Abwehrsysteme voran. Um Engpässe bei Patriot-Abfangraketen des Typs PAC-3 MSE zu beheben, bindet das Unternehmen neue Industriepartner ein. Gestern erhielt Lockheed Martin eine erste Lieferung kritischer Gehäusekomponenten von GM Defense.
Diese Übergabe erfolgte lediglich 22 Tage nach der entsprechenden Vereinbarung. Um die steigenden Vorgaben zu erfüllen, investiert der Konzern insgesamt 8 bis 9 Milliarden US-Dollar in seine Munitionssparte und erweitert die Produktionsfläche an mehr als 20 US-Standorten um die Hälfte.
Kursentwicklung an den europäischen Handelsplätzen
An den Börsen spiegeln sich die anhaltend vollen Auftragsbücher des Konzerns in einem soliden Jahresverlauf wider. Im vorbörslichen Handel notiert das Papier heute bei 470,40 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie damit ein Plus von 13 Prozent, bleibt jedoch mit einem Abstand von 24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 616,00 Euro.
Die jüngste Einigung mit dem Pentagon unterstreicht, wie stark der Bedarf an modernen Lenkwaffen die strategische Ausrichtung der US-Rüstungsindustrie dominiert. Für Lockheed Martin schafft das Rahmenabkommen die Voraussetzung, Fertigungsstraßen frühzeitig zu rüsten, bevor die formalen Mehrjahresverträge für die Serienproduktion in Milliardenhöhe greifen.
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