Dreihundert Prozent Plus seit Jahresbeginn, ein neues 5-Jahres-Hoch — und trotzdem wachsen die Zweifel. Bei LPKF Laser treffen eine spektakuläre Kursrally und ein operativ schwaches Quartal aufeinander. Vor der Hauptversammlung am 4. Juni versucht das Unternehmen, das Vertrauen der Anleger mit einer gezielten Personalie zu festigen.
Neuer Mann im Kontrollgremium
LPKF schlägt Dr. Arne Schneider für den Aufsichtsrat vor. Schneider ist aktuell CFO beim Halbleiterhersteller Elmos Semiconductor. Er soll Dr. Dirk Michael Rothweiler ablösen.
Die Botschaft dahinter ist klar: LPKF will seine LIDE-Technologie in der Chipindustrie etablieren. LIDE steht für Laser Induced Deep Etching — ein Verfahren zur hochpräzisen Glasbearbeitung für Halbleiter und Displays. Mit einem erfahrenen Branchenkenner im Aufsichtsrat soll die Kompetenz im Bereich Advanced Packaging sichtbar werden.
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Rally trifft auf schwache Zahlen
Die Aktie notiert aktuell bei 24,30 Euro — rund 17 Prozent unter dem 5-Jahres-Hoch von 29,20 Euro, das sie erst am 25. Mai markiert hatte. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus dennoch gut 300 Prozent.
Das erste Quartal 2026 lieferte wenig Rückenwind. Der Umsatz sank auf 17,1 Millionen Euro, ein Rückgang von rund 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBIT verschlechterte sich auf minus 6,9 Millionen Euro. Belastet hat vor allem das schwache Solarsegment. Positiv: Der Auftragseingang kletterte auf 24,1 Millionen Euro — eine Book-to-Bill-Ratio von 1,4.
Leerverkäufer setzen auf Korrektur
Nicht alle glauben an den Durchbruch. Hedgefonds bauen ihre Shortpositionen gegen LPKF aus. Voleon Capital Management hält inzwischen 2,13 Prozent des Aktienkapitals als Netto-Leerverkaufsposition. Auch Marshall Wace ist auf der Short-Seite aktiv.
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Die Wette dieser Investoren: Die Kommerzialisierung der LIDE-Technologie läuft langsamer als erwartet. Bei einem RSI von 25,5 und einer annualisierten Volatilität von knapp 150 Prozent spiegelt der Kurs genau diese Unsicherheit wider.
Was am 4. Juni zählt
In Hannover muss das Management zwei Fragen beantworten. Erstens: Hält die Jahresprognose — ein Umsatz zwischen 105 und 120 Millionen Euro — trotz des schwachen Starts? Zweitens: Überzeugt die Nominierung von Schneider als glaubwürdige Brücke zur Chipindustrie?
Der starke Auftragseingang aus dem ersten Quartal gibt dem Management zumindest ein Argument. Die Lücke zwischen Kurserwartung und operativer Realität bleibt vorerst groß.
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