Nach einer Rally von über 400 Prozent seit Dezember trifft LPKF Laser & Electronics am 4. Juni auf eine Hauptversammlung, die mehr Konflikt verspricht als üblich. Die Anmeldefrist ist seit Mittwoch abgelaufen — wer nicht rechtzeitig reagiert hat, verliert sein Stimmrecht für eine Versammlung, auf der Strategie, Personal und Widerstand aus dem Aktionärskreis aufeinandertreffen.
Aufsichtsrat bekommt Halbleiter-DNA
Der strategisch bedeutsamste Tagesordnungspunkt ist ein Personalwechsel im Kontrollgremium. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Dirk Michael Rothweiler tritt nicht mehr an. Als Nachfolger ist Dr. Arne Schneider vorgeschlagen — Vorstandschef von Elmos Semiconductor, mit Mandat bis 2029.
Das ist mehr als eine Personalie. LPKF richtet seine Strategie stärker auf Halbleiteranwendungen aus, insbesondere auf Glasbearbeitung für Advanced Packaging. Schneider bringt genau das mit: Branchenerfahrung im Halbleitergeschäft sowie Kenntnisse in Rechnungslegung und Abschlussprüfung.
Auf der Tagesordnung stehen außerdem die Wahl des Abschlussprüfers für 2026 sowie eine Satzungsänderung, die Hauptversammlungen künftig auch im 50-Kilometer-Radius um den Unternehmenssitz erlaubt.
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Kein Geld für Aktionäre — und Widerstand im Saal
Eine Dividende gibt es nicht. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, den Bilanzgewinn von rund 7,6 Millionen Euro vollständig auf neue Rechnung vorzutragen. Der Hintergrund ist die operative Lage: Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz um 32,4 Prozent auf 17,1 Millionen Euro ein, das EBIT lag bei minus 6,9 Millionen Euro. Haupttreiber war ein deutlich niedrigerer Umsatz im Solarsegment.
Ein Gegenantrag fordert, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern — und stattdessen eine sofortige Kapitalerhöhung, um im Advanced-Packaging-Markt aggressiver zu wachsen. Die Einwände betreffen neben der Strategie auch bestimmte Personalentscheidungen. Die Verwaltung empfiehlt, den Antrag abzulehnen.
LIDE: Der eigentliche Kurstreiber wartet noch
Hinter der Governance-Agenda steht die für Investoren entscheidendere Frage: Wann kommen die ersten Serienaufträge für die LIDE-Technologie? LPKF entwickelt die Integration von Co-Packaged Optics auf Glassubstraten — eine Schlüsseltechnologie für künftige Halbleitergenerationen, bei der Glas neben elektrischen auch optische Funktionen übernimmt.
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Das Management erwartet erste Produktionsaufträge noch im zweiten Quartal 2026. Allerdings hängt der Zeitpunkt nicht allein von LPKF ab — Kunden müssen nachgelagerte Prozessschritte selbst qualifizieren. Ein breiter Hochlauf startet frühestens 2027, die Phase mit hohen Stückzahlen erst ab 2029.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet LPKF einen Konzernumsatz zwischen 105 und 120 Millionen Euro bei einer bereinigten EBIT-Marge von minus 3,0 bis plus 4,5 Prozent. Potenzielle Volumenaufträge aus dem Advanced-Packaging-Bereich sind darin nicht enthalten.
Der Auftragseingang stieg auf 24,1 Millionen Euro, die Book-to-Bill-Ratio liegt bei 1,4 — neue Aufträge laufen schneller herein, als das Unternehmen aktuell liefert. Das ist ein Signal, aber noch kein Umsatz.
Die Aktie büßte allein am Freitag 8,75 Prozent ein und notiert bei 21,90 Euro — rund 25 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 25. Mai. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 264 Prozent. Der Halbjahresbericht im Juli wird zeigen, ob der robuste Auftragseingang in tatsächliche Erlöse münzt — und ob die LIDE-Fantasie fundamentale Substanz bekommt.
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