Die Weichen für die Zukunft des Münchner Traditionshauses Ludwig Beck am Rathauseck – Textilhaus Feldmeier sind gestellt. Während das Unternehmen operativ mit einem anspruchsvollen ersten Halbjahr kämpft, rückt das Ende der Börsennotierung näher. Aktionäre haben nur noch wenig Zeit, sich für oder gegen das laufende Delisting-Angebot der Bayerische Gewerbebau AG zu entscheiden.

Finale Phase der Übernahme

Medienberichten zufolge endet die Annahmefrist für das Pflicht- und Delisting-Erwerbsangebot der Bayerische Gewerbebau AG am Dienstag nächster Woche, dem 18. August. Das Angebot sieht eine Barabfindung in Höhe von 23,16 Euro je Aktie vor. Die Gesellschaft, hinter der der Investor Alfons Doblinger steht, hatte bereits im Juni ihre Position massiv ausgebaut. Durch den Erwerb der Anteile von Hans Rudolf Wöhrl (25,2 %) und dem bisherigen CEO Christian Greiner (26,3 %) kontrolliert die Bayerische Gewerbebau mittlerweile rund 78 % der Anteile.

Im Zuge dieser Neuordnung wurde eine Delisting-Vereinbarung unterzeichnet. Ludwig Beck wird demnach Anträge auf Widerruf der Zulassung zum Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse sowie zum regulierten Markt der Börse München stellen. Die Aktie notiert aktuell bei einem Schlusskurs von 23,00 Euro und liegt damit knapp unter dem Niveau des Barangebots. Trotz der jüngsten Konsolidierung verzeichnet das Papier seit Jahresbeginn ein deutliches Plus von 91,67 %.

Führungswechsel und operative Herausforderungen

Parallel zum geplanten Rückzug von der Börse vollzieht das Modehaus einen personellen Neuanfang an der Spitze. Seit vergangenem Montag, dem 3. August, ist Sebastian Jänisch als neuer CEO installiert. Er tritt die Nachfolge von Christian Greiner an, der nach einer einvernehmlichen Einigung mit dem Aufsichtsrat zum 31. August aus dem Vorstand und der Ludwig Beck Beteiligungs GmbH ausscheidet. Bereits im Juni hatte es zudem im Kontrollgremium eine markante Veränderung gegeben, als der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Bruno Sälzer mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurücktrat.

Die neue Geschäftsführung übernimmt das Unternehmen in einem schwierigen Marktumfeld. Die Ende Juli vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr 2026 verdeutlichen die aktuelle Konsumzurückhaltung. Der Bruttoumsatz sank in den ersten sechs Monaten auf 37,1 Mio. Euro, nach 37,8 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Besonders das Kernsegment Textil war mit einem Rückgang von 29,0 Mio. Euro auf 28,6 Mio. Euro betroffen. Auch im Non-Textil-Bereich gab der Umsatz leicht auf 8,5 Mio. Euro nach (Vorjahr: 8,8 Mio. Euro). Zudem berichteten Medien über einen rückläufigen Trend im eigenen Onlineshop.

Ergebnissituation und Ausblick auf das Herbstgeschäft

Auf der Ergebnisseite verzeichnete Ludwig Beck im ersten Halbjahr leichte Verbesserungen, verbleibt jedoch in der Verlustzone. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei -0,8 Mio. Euro, verglichen mit -1,0 Mio. Euro im Vorjahr. Nach einem Zinsergebnis von -1,5 Mio. Euro wies das Unternehmen ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von -2,3 Mio. Euro aus. Unter dem Strich stand ein Periodenergebnis (EAT) von -2,6 Mio. Euro, was eine geringfügige Verbesserung gegenüber dem Vorjahresverlust von 2,7 Mio. Euro darstellt.

Für das weitere Geschäftsjahr zeigt sich das Management vorsichtig optimistisch und erwartet eine Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen und konsumrelevanten Rahmenbedingungen. Ein wichtiger Impulsgeber soll dabei das im September beginnende Münchner Oktoberfest sein, von dem sich das Traditionshaus zusätzliche Wachstumsimpulse für das dritte Quartal verspricht. Ob diese Erholung ausreicht, um die Ertragsperle am Marienplatz wieder nachhaltig in die Gewinnzone zu führen, wird sich künftig weitgehend abseits der öffentlichen Börsenberichterstattung entscheiden. Der Titel notiert derzeit mit einem Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 31,18 %, was die starke Aufwertung im Zuge der Übernahmeaktivitäten widerspiegelt.