Marvell Technology hat mit Google eine Vereinbarung geschlossen, die dem Chiphersteller Zugang zu einem der größten Kundenverträge seiner Geschichte verschafft.

Der Suchmaschinenkonzern Alphabet erhielt am Mittwoch einen Optionsschein zum Kauf von bis zu 58,97 Millionen Marvell-Aktien zu einem Preis von 206,58 US-Dollar je Anteil. Bei vollständiger Ausübung entspräche dies einem Gesamtwert von rund 12,2 Milliarden US-Dollar. Die Nachricht ließ die Marvell-Aktie an der Wall Street deutlich zulegen.

Der Optionsschein ist an klare Bedingungen geknüpft: Im ersten Jahr vestieren lediglich 1,36 Millionen Aktien, der Rest folgt in Tranchen von jeweils 500 Millionen US-Dollar Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2033. Damit hängt die volle Ausschöpfung des Vertrags direkt vom Erfolg der gemeinsamen Chip-Entwicklung ab.

Im Zentrum steht kundenspezifische Silizium-Technologie für Googles TPU-Ökosystem – von KI-Inferenzbeschleunigern über Speicher-Controller bis zu Netzwerk-Schnittstellenbausteinen. Das Analysehaus Stifel bezifferte das Potenzial des Deals auf kumulierte Umsätze von bis zu 120 Milliarden US-Dollar bis zum Geschäftsjahr 2033, sofern die Umsatzziele erreicht werden.

Analysten reagieren mit angehobenen Kurszielen

Mehrere Häuser passten ihre Einschätzungen nach Bekanntwerden der Google-Vereinbarung an. TD Cowen erhöhte das Kursziel am Dienstag von 200 auf 225 US-Dollar und beließ die Einstufung bei Hold, mit Verweis auf Marvells Führungsrolle bei optischen DSP-Lösungen für KI-Rechenzentren.

Goldman Sachs hob das Ziel am Montag von 180 auf 195 US-Dollar an und bestätigte die neutrale Haltung, verwies dabei auf die starke Positionierung im Bereich kundenspezifischer Silizium-Lösungen. UBS senkte hingegen am Montag das Kursziel von 340 auf 300 US-Dollar, hielt aber an der Kaufempfehlung fest und begründete dies mit der anhaltend starken Nachfrage nach optischer Vernetzungstechnik.

Morgan Stanley wiederum lenkte den Blick auf ein mögliches zusätzliches Geschäft: Das Konzept eines Chips mit dem Codenamen „Frozen v2“ für Google könnte weiteres Aufwärtspotenzial im Custom-Silicon-Geschäft bergen, so die Einschätzung vom Dienstag bei einem Kursziel von 195 US-Dollar und der Einstufung Equal Weight.

Kurs unter dem Rekordhoch, aber deutlich über Vorjahresniveau

Die Marvell-Aktie notiert aktuell bei 201,50 Euro und verliert am heutigen Donnerstag 0,9 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 290,35 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen das Papier derzeit 31 Prozent – ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten Kurssprünge noch Luft nach oben bestünde, sollte sich die Rekordbewertung aus dem Frühsommer wiederholen. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 176 Prozent zu Buche, getragen von der anhaltenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur.

Zusätzlichen Rückenwind könnte ein regulatorisches Thema liefern: Berichten zufolge erwägt die US-Regulierungsbehörde FCC ein Verbot neuer optischer Transceiver aus chinesischer Fertigung. Sollte dies umgesetzt werden, dürfte sich die Nachfrage in Richtung nicht-chinesischer Anbieter wie Marvell verschieben.

Investitionen in Indien und anstehende Termine

Parallel zur Kapitalmarktnachricht kündigte Marvell an, in den kommenden drei Jahren 250 Millionen US-Dollar in den Ausbau der Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Bangalore und Hyderabad zu investieren. Die Belegschaft dort soll sich verdoppeln, Indien soll zum zweitgrößten F&E-Standort des Unternehmens aufsteigen.

Anleger blicken nun auf zwei anstehende Termine: Am 27. August legt Marvell die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor, am 6. Oktober folgt ein Investorentag. Beide Termine dürften zeigen, wie tragfähig die durch den Google-Deal geweckten Wachstumserwartungen tatsächlich sind.