Marvell und Arm auf Rekordhoch — Energiewerte zahlen die Zeche

Marvell Technology Aktie

Iran-Hoffnung, KI-Euphorie, Ölpreis-Einbruch: Der Nasdaq-100 zeigt sich am Montag zweigeteilt wie selten. Während Chipdesigner neue Allzeithochs markieren, drückt der Optimismus über ein US-Iran-Abkommen die Energietitel nach unten. Für Anleger stellt sich die Frage nach den Gewinnern und Verlierern dieser Rotation.

KI-Chips gegen Öl — die große Sektorrotation

Der Ölpreis-Einbruch der vergangenen Tage wirkt wie ein Katalysator für eine massive Umschichtung. WTI-Futures notieren nach einem Rückgang von über 6 % nahe 91 USD je Barrel. Auslöser: wachsender Optimismus, dass ein US-Iran-Deal die Straße von Hormuz wieder öffnen könnte. Rund ein Fünftel der globalen Öl- und LNG-Lieferungen passiert diese Meerenge.

Für den technologielastigen Nasdaq-100 ist das strukturell positiv. Günstigere Energiekosten entlasten die Margen der Hyperscaler, die Milliarden in KI-Rechenzentren investieren. Das Kapital fließt direkt dorthin — und weg von Öl-Serviceunternehmen und Produzenten.

Die Tagesgewinner und -verlierer im Überblick:

AssetKursVeränderung
Marvell Technology176,90 €+4,5 %
Axon Enterprise346,50 €+4,1 %
Arm273,50 €+3,6 %
Insmed92,14 €−3,9 %
Baker Hughes54,75 €−3,9 %
Diamondback169,80 €−1,9 %

Marvell Technology: Analysten-Welle treibt auf Allzeithoch

Marvell notiert bei 176,90 € — ein neues 52-Wochen-Hoch und ein Plus von über 130 % seit Jahresbeginn. Der jüngste Schub speist sich aus einer ganzen Serie von Kurszielanhebungen. Citi-Analyst Atif Malik schraubte sein Ziel um 82 % auf 215 USD nach oben und verwies auf die explodierende Nachfrage nach Amazons Trainium-2-KI-Beschleunigern. Marvell hat diesen Chip gemeinsam mit AWS entwickelt.

Melius Research ordnet die Aktie in die Kategorie der KI-„Bottleneck“-Titel ein — Chips, die den Datenfluss kontrollieren und damit Preissetzungsmacht besitzen, sobald Workloads skalieren. Die These: Solche Engpass-Anbieter werden Marktkapitalisierungsanteile von traditioneller Software übernehmen.

Am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlicht Marvell seine Q1-Zahlen für das Fiskaljahr 2027. Die Erwartungen sind enorm. Jede positive Überraschung bei der Guidance könnte den Kurs weiter befeuern. Gleichzeitig ist die Aktie mit einem KGV deutlich über 50 auf fehlerfreie Execution gepreist. Ein Ausrutscher bei Zahlen oder Lieferkettenkommentaren würde hart bestraft.

Axon Enterprise: Vom Taser-Hersteller zur KI-Plattform

Axon legt 4,1 % auf 346,50 € zu — eine willkommene Erholung für eine Aktie, die seit Jahresbeginn fast 28 % verloren hat. Der Anlass: Zacks Research stufte den Titel Mitte Mai auf „Strong Buy“ hoch und verwies auf robuste Gewinnwachstumserwartungen.

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Die Zahlen stützen diesen Optimismus. Axon lieferte das neunte Quartal in Folge mit über 30 % Umsatzwachstum und hob die Jahresprognose auf 30 bis 32 % Wachstum an. Besonders bemerkenswert:

  • Software- und Service-Umsätze stiegen um 35 % auf 355 Millionen USD
  • KI-Produkte legten im Jahresvergleich um über 700 % zu
  • Gegendrohnen-Technologie wuchs um mehr als 300 %
  • Der jährlich wiederkehrende Umsatz erreichte 1,5 Milliarden USD

Die Transformation vom Hardware-Verkäufer zur Software-Plattform mit stabilen Abo-Einnahmen macht Axon in unsicheren Zeiten attraktiv. Der RSI von 78 signalisiert allerdings kurzfristig eine gewisse Überhitzung.

Arm: Nvidias CPU-Boom als Lizenzgebühren-Maschine

Arm markiert ebenfalls ein neues 52-Wochen-Hoch bei 273,50 € — ein Wochenplus von über 42 %. Die Rally hat einen konkreten Auslöser: Nvidia erklärte, in diesem Jahr einen CPU-Umsatz von 20 Milliarden USD zu erwarten. Ein Großteil davon stammt aus dem Vera-Prozessor, der auf Arm-Architektur basiert. Das bedeutet: steigende Lizenzgebühren für Arm.

Bernstein-Analyst David Dai sieht den Kurs bei 300 USD und argumentiert, Arm werde ein zentraler Nutznießer des Wachstums agentischer KI. RBC modelliert über 2 Milliarden USD AGI-CPU-Umsatz für die Geschäftsjahre 2027 bis 2028, wobei das Datenzentrum-Geschäft zum größten Segment aufsteigen soll.

Der Hintergrund: KI-Agenten verlagern die Rechenkapazität vom Modell-Training zur Inferenz. Dieser Wandel steigert die Nachfrage nach energieeffizienten CPUs massiv — und genau dort liegt Arms Kernkompetenz. Die annualisierte Volatilität von knapp 104 % zeigt allerdings, wie nervös der Markt bei dieser Aktie bleibt.

Insmed: Pipeline-Rückschlag überschattet starkes Kerngeschäft

Insmed verliert 3,9 % und notiert bei 92,14 € — rund 50 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Die Belastung geht auf einen klinischen Rückschlag zurück: Die Phase-2b-CEDAR-Studie zu Brensocatib bei Hidradenitis suppurativa verfehlte im April alle Wirksamkeitsendpunkte. Das HS-Programm wurde eingestellt.

Das Kerngeschäft erzählt eine andere Geschichte. Im ersten Quartal erzielte Insmed Gesamtumsätze von 306 Millionen USD. BRINSUPRI steuerte davon fast 208 Millionen USD bei — ein Wachstum von 44 % gegenüber dem Vorquartal. Das Management hält an der Jahresprognose von mindestens einer Milliarde USD BRINSUPRI-Umsatz fest.

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Dem steht ein Nettoverlust von knapp 164 Millionen USD gegenüber. Für Anleger ein gemischtes Bild: Das Hauptprodukt wächst stark, aber die Pipeline hat an Breite verloren. Gleichzeitig rotiert Kapital aus Biotech in den KI-Halbleiterbereich — ein doppelter Gegenwind.

Baker Hughes: Starke Fundamentaldaten im Ölpreis-Strudel

Baker Hughes gibt 3,9 % ab und notiert bei 54,75 €. Der Energiedienstleister trifft es doppelt: Der Ölpreisrückgang dämpft die Investitionsbereitschaft der Produzenten, und die geplante Übernahme von Chart Industries — teilfinanziert durch eine milliardenschwere Anleiheemission — steht noch unter regulatorischem Vorbehalt.

Die operative Substanz ist dabei keineswegs schwach. Das konsolidierte EBITDA stieg im ersten Quartal um 12 % auf knapp 1,16 Milliarden USD. Im Segment Industrial & Energy Technology legte das Auftragsbuch um 54 % zu und erreichte einen Rekordbestand von über 33 Milliarden USD.

Der Kursrückgang ist primär makrogetrieben. Sollte der Iran-Deal tatsächlich zur Wiedereröffnung der Hormuz-Straße führen, würde das zusätzliches Ölangebot auf den Markt schwemmen — und die Investitionsneigung der E&P-Kunden weiter dämpfen.

Diamondback Energy: Rekordcashflow, trotzdem unter Druck

Diamondback verliert 1,9 % auf 169,80 € und kann den Ölpreis-Gegenwind besser abfedern als Baker Hughes. Der Permian-Basin-Produzent lieferte Anfang Mai Quartalszahlen, die die Erwartungen klar übertrafen — beim Umsatz um knapp 8 %, beim bereinigten Gewinn je Aktie um fast 13 %.

Die Bullen-These ist klar: 1,7 Milliarden USD freier Cashflow in einem Quartal, eine um 5 % erhöhte Basisdividende von 1,10 USD je Aktie und angehobene Produktionsguidance. Die Bären verweisen auf ein gestiegenes Kapitalbudget von rund 3,9 Milliarden USD und den Ölpreis-Gegenwind durch die Iran-Gespräche.

Diamondback verbuchte zudem Wertminderungen auf Sachanlagen von 1,4 Milliarden USD — ein Posten, der in den Schlagzeilen unterging, aber die Bilanz belastet.

Nasdaq-100 zwischen KI-Euphorie und Geopolitik-Risiko

Die aktuelle Sektorrotation hat klare Gewinner und Verlierer. Kapital fließt aus Energie in KI-Infrastruktur — ein Trend, der sich bei einer dauerhaften Wiedereröffnung der Hormuz-Straße noch verstärken dürfte. Ein rascher Brent-Rückgang in Richtung 80 USD würde der US-Notenbank Spielraum für Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte geben und den Gegenwartswert künftiger Tech-Gewinne steigern.

Kurzfristig steht mit den Marvell-Quartalszahlen am Mittwoch ein entscheidender Katalysator an. Hebt das Management die Guidance an, könnte das die gesamte KI-Halbleiter-Euphorie weiter befeuern. Verfehlt es die Erwartungen, droht ein scharfer Rücksetzer bei einem Titel, der bereits auf Perfektion gepreist ist. Für den Gesamtindex bleibt KI der dominierende Wachstumstreiber — die Geopolitik rund um Hormuz bestimmt jedoch den Takt.

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