Die medondo holding AG setzt auf nachhaltige Digitalisierung von Zahnarztpraxen. Gleichzeitig steckt das Unternehmen in einer handfesten Finanzkrise. Der Aktienkurs fiel auf ein neues Jahrestief.

Das eigentliche Problem: Die Strategie klingt gut, die Bilanz aber nicht.

Strategie: weniger Papier, mehr Cloud

Am 13. Mai 2026 unterstrich das Management den Kurs. Medondo will mit Cloud-Lösungen papierbasierte Abläufe in Praxen ersetzen. Der administrative Aufwand bindet in deutschen Zahnarztpraxen im Schnitt über 24 Stunden pro Woche. Hier sieht das Unternehmen großes Einsparpotenzial.

Hinzu kommt: Rund 80 Prozent der Praxen nutzen bereits digitales Röntgen. Medondo hält die technische Basis für gegeben, um die eigene Management-Software breiter zu platzieren. Ziel sei es, steigende Personalkosten durch stärkere Vernetzung abzufedern. Die Botschaft des Unternehmens: weniger Ressourcenverbrauch durch effizientere digitale Prozesse.

Bilanzkorrektur belastet Eigenkapital

Doch die operative Story wird von einer harten finanziellen Realität überschattet. Ende April meldete der Vorstand nicht liquiditätswirksame Wertberichtigungen auf Beteiligungen. Die Folge: Das Eigenkapital schrumpfte von rund 11 Millionen Euro auf nur noch etwa 2 Millionen Euro.

Dieser Einbruch löst eine gesetzliche Pflicht aus. Nach § 92 AktG muss medondo den Verlust der Hälfte des Grundkapitals auf einer außerordentlichen Hauptversammlung anzeigen. Diese ist für das zweite Quartal 2026 geplant. Aktionäre sollen über Sanierungsmaßnahmen abstimmen.

Die Börse reagierte mit Verunsicherung. Am 13. Mai 2026 fiel der Kurs zwischenzeitlich auf 0,1505 Euro – ein neues 52-Wochen-Tief.

Restrukturierung: Break-even als Ziel

Das Management hält an der Wende fest. Operative Kostensenkungen und Fokussierung auf das Kerngeschäft sollen den Turnaround bringen. Der operative Cashflow Break-even wird für das dritte Quartal 2026 angepeilt.

Ob die Strategie aufgeht, hängt maßgeblich von der kommenden Hauptversammlung ab. Dort entscheiden die Aktionäre über die künftige Kapitalstruktur und die Sanierungspläne. Gelingt die Kapitalstabilisierung, könnte die Digitalisierungsstory neuen Rückenwind bekommen. Schlägt sie fehl, wird die finanzielle Schieflage zum Dauerrisiko.