MercadoLibre baut sein Geschäftsmodell massiv um. Der lateinamerikanische E-Commerce-Riese setzt verstärkt auf das Direktgeschäft statt nur auf die Vermittlung von Drittanbietern. Das treibt den Umsatz, belastet aber die Gewinnmargen.

Im ersten Quartal 2026 schoss das Handelsvolumen im Eigenvertrieb währungsbereinigt um 69 Prozent nach oben. Besonders in Brasilien gewinnt das Unternehmen im Segment Unterhaltungselektronik Marktanteile. Parallel dazu beschleunigte sich das Wachstum der Käuferzahlen in der Region auf 32 Prozent — der höchste Wert seit fünf Jahren.

Milliardeninvestitionen in Logistik

Um die Warenmengen zu bewältigen, baut der Konzern seine Infrastruktur in Brasilien massiv aus. 14 neue Logistikzentren entstehen derzeit. Durch Zukäufe wie die Vermögenswerte des Lieferdienstes Loggi erreicht MercadoLibre eine Zustellquote von 76 Prozent innerhalb von 48 Stunden.

Fintech als Wachstumsmotor

Die Finanztochter Mercado Pago wächst derweil ungebremst weiter. Das Kreditportfolio erreichte zuletzt ein Volumen von 14,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Allein im Kreditkartensegment verdoppelte sich das Volumen auf 6,6 Milliarden Dollar. Über zwei Millionen neue Karten gab das Unternehmen in einem einzigen Quartal aus. Diese aggressive Expansion fordert jedoch ihren Preis: Höhere Rückstellungen für Kreditausfälle drückten die Bruttomarge um 300 Basispunkte.

An der Börse sorgten die Nachrichten für eine Erholung. Die Aktie kletterte am Mittwoch auf Euronext um 3,53 Prozent auf 1.465 Euro.

Die Marktteilnehmer bewerten den Expansionskurs trotz der kurzfristigen Belastungen positiv. Zuvor hatte das Papier am 11. Mai bei 1.322 Euro ein neues Jahrestief markiert.

Mit einem RSI von 77 signalisiert der Titel technisch eine überkaufte Lage. Für das Gesamtjahr taxieren Analysten den Gewinn je Aktie auf rund 41 Dollar. Das entspricht beim aktuellen Kurs einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32.