Bei Mercedes-Benz knirscht es an allen Ecken und Enden. Während tausende Mitarbeiter gegen einen verschärften Sparkurs auf die Straße gehen, stehen in Bremen die Bänder still. Ein wichtiger Elektro-Hoffnungsträger kann nicht gebaut werden. Die aktuelle Belastungsprobe trifft den Autobauer in einer ohnehin schwachen Börsenphase.
Lieferketten reißen ab
Die Produktion des neuen elektrischen GLC in Bremen stockt erheblich. Dem Konzern fehlen Hochvolt-Batterien. Der ungarische Zulieferer CATL musste sein Werk in Debrecen wegen Umweltauflagen vorübergehend schließen. Um den Engpass zu lösen, schifft Mercedes die Akkus nun aus China ein. Die Folge: Die Lieferzeit verlängert sich um sechs Wochen. Erschwerend fehlen Bordnetze. Ein marokkanischer Zulieferer fiel nach Überschwemmungen aus.
Das drückt direkt auf den Markterfolg. Bis Ende Mai 2026 brachte Mercedes lediglich rund 3.300 elektrische GLC auf die Straße. Konkurrent BMW verkauft deutlich mehr Einheiten seines iX3. Marktbeobachter kritisieren die stark verschlankten Lieferketten.
Harter Sparkurs provoziert Streiks
Neben den operativen Problemen wächst der interne Druck. Zehntausende Beschäftigte demonstrierten am Freitag bundesweit. Der Streit entzündet sich an einer tariflichen Sonderzahlung. Die Unternehmensführung verschiebt diese auf das Jahr 2027. Fast die komplette deutsche Belegschaft ist davon betroffen. Hinzu kommen Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit.
Auch in der Sportwagen-Sparte AMG zieht das Management Konsequenzen. Der aktuelle C63 S E Performance setzt auf einen Vierzylinder-Hybridantrieb. Die Kernkundschaft lehnt dieses Konzept jedoch ab. AMG-Chef Michael Schiebe räumt ein, dass viele Käufer den V8-Motor vermissen. Für das geplante Facelift der C-Klasse im kommenden Jahr steuert Mercedes daher um. Ein Sechszylinder-Mild-Hybrid soll den ungeliebten Vierzylinder ersetzen.
Aktie tief im Minus
An der Börse zeigt sich ein düsteres Bild. Trotz eines leichten Wochenplus von 4,91 Prozent notierte die Aktie am Freitag bei 45,40 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Das Minus summiert sich auf 26,37 Prozent.
Der Abstand zur wichtigen 200-Tage-Linie fällt deutlich aus. Mit einem Minus von rund 17 Prozent bleibt der Abwärtstrend intakt. Vom 52-Wochen-Hoch bei gut 62 Euro ist der Kurs derzeit weit entfernt.
In der neuen Handelswoche drohen weitere Produktionsausfälle an den deutschen Standorten. Die Gewerkschaft plant für die kommenden Tage groß angelegte Autokorsos in Stuttgart. Abseits der Streiks müssen Investoren auf Indien blicken. Dort formuliert die Regierung bis Oktober 2026 neue Cybersicherheitsregeln für Fahrzeuge mit automatisierten Fahrfunktionen. Das betrifft Kernmodelle wie die Mercedes S-Klasse direkt.
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