Ein Bus-Karosseriewerk in Tschechien feiert einen Produktionsrekord. Gleichzeitig bangen tausende Beschäftigte in Bremen um ihre Jobs. Bei Mercedes-Benz zeigt sich derzeit, wie eng Sparkurs und Standortverlagerung zusammenhängen.

Daimler Buses verlagert Produktion nach Tschechien

Im tschechischen Werk Holýšov ist die 10.000. Buskarosserie vom Band gelaufen, ein Setra S531 DT. Daimler Buses bestätigte den Meilenstein am Montag. Er markiert einen wichtigen Schritt in einer langfristigen Strategie.

Ab 2028 will der Konzern die gesamte europäische Karosserieproduktion für Setra und Mercedes-Benz in Holýšov bündeln. Bisher liefert das tschechische Werk Rohbauteile zur Endmontage nach Neu-Ulm. Die vollständige Verlagerung soll die Fixkosten in der Produktion dauerhaft senken.

Bremen steht unter erheblichem Druck

Parallel zur Verlagerung im Bus-Geschäft verschärft sich die Lage für die Pkw-Produktion in Deutschland. Am Standort Bremen hängen rund 30.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von Mercedes-Benz ab. Davon entfallen 12.000 auf das Werk selbst, weitere 17.000 auf regionale Zulieferer.

Der Sparkurs zeigt bereits konkrete Folgen:

  • Sonderzahlungen verschoben: Mercedes-Benz verschiebt geplante Sonderzahlungen wegen des deutlichen Gewinneinbruchs.
  • Zulieferer wandern ab: Der Zulieferer Lear verlagerte kürzlich 35 Stellen von Bremen nach Polen.
  • Beschäftigte protestieren: Am 3. Juli demonstrierten rund 4.000 Beschäftigte in Bremen gegen drohende Stellenstreichungen.

Die IG Metall fordert nun mehr Investitionen in Zukunftstechnologien am Standort Deutschland. Vor allem die Batteriezellenfertigung soll wegfallende Industriearbeitsplätze auffangen.

Aktie bleibt in der Nähe des Jahrestiefs

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit über Margen und Umbau deutlich wider. Am Montag schloss die Mercedes-Benz-Aktie bei 45,35 Euro, nach einem Plus von 3,2 Prozent auf Wochensicht. Auf Monatssicht steht dagegen ein Minus von gut 6 Prozent zu Buche.

Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 26 Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro, markiert am 29. Juni, beträgt der Abstand nur noch gut 6 Prozent. Vom Jahreshoch bei 62,30 Euro aus dem Dezember trennen die Aktie mittlerweile mehr als 27 Prozent.

Auch die mittelfristigen Indikatoren bleiben angeschlagen. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 54,75 Euro, gut 17 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der RSI von 43,7 signalisiert weder eine Überverkauft- noch eine Überkauft-Situation.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie weit der Konzern die Verlagerung nach Osteuropa noch treibt. Entscheidend wird, ob Bremen im Zuge des Effizienzprogramms neue Zusagen für Zukunftstechnologien erhält oder weitere Zulieferer dem Beispiel von Lear folgen.