Nach Berichten von t3n.de plant der Autobauer eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche statt bislang 35 Stunden – bei gleichem Gehalt. Zusätzlich soll das Homeoffice weitgehend gestrichen werden, Mitarbeiter sollen wieder an fünf Tagen pro Woche vor Ort arbeiten. Eine Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent des Monatsentgelts wird um ein Jahr verschoben. Von den Maßnahmen sind rund 90.000 Beschäftigte betroffen. Die IG Metall hat bereits Proteste angekündigt.
Kurs nahe am Jahrestief
Der Aktienmarkt quittiert die angespannte Lage mit anhaltendem Abwärtsdruck. Am Freitag schloss die Mercedes-Benz-Aktie bei 43,95 Euro, ein moderates Plus von 0,23 Prozent auf Tagessicht. Der Blick auf die mittlere Frist zeigt jedoch klare Schwäche: Binnen sieben Tagen verlor das Papier 3,18 Prozent, auf Monatssicht steht ein Minus von 6,50 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn summiert sich der Rückgang auf 28,71 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 17,20 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 62,30 Euro, erreicht am 15. Dezember 2025, trennen die Aktie mittlerweile 29,45 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro, aufgestellt am 29. Juni 2026, beträgt der Abstand nur noch 3,07 Prozent – die Aktie bewegt sich also nah an ihrem Jahrestief. Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren Schwäche: Der Kurs liegt 8,35 Prozent unter der 50-Tage-Linie (47,96 Euro) und 19,46 Prozent unter der 200-Tage-Linie (54,57 Euro). Der RSI von 38,4 deutet auf eine eher überverkaufte Marktlage hin, bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 29,25 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 41,94 Milliarden Euro.
Produktionsprobleme beim GLC
Zum Sparprogramm kommen operative Schwierigkeiten hinzu. Laut t3n.de kämpft Mercedes-Benz bei der Produktion des elektrischen SUV-Modells GLC mit fehlenden Batterien. Das dürfte die Auslieferungen zusätzlich bremsen, ausgerechnet in einer Phase, in der der Konzern auf Elektromodelle als Wachstumstreiber setzt. Die kommenden Quartalszahlen, die für den 28. Juli 2026 angesetzt sind, dürften zeigen, wie stark sich Sparmaßnahmen und Produktionsengpässe bereits auf die Profitabilität auswirken.
Gegenwind auch aus China
Verschärft wird die Lage durch den chinesischen Markt. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AP verzeichneten die großen deutschen Autobauer – darunter Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Porsche – im zweiten Quartal 2026 China-Verkäufe, die zwischen 30 und 41 Prozent unter Vorjahresniveau lagen. Für das erste Halbjahr summiert sich der Rückgang auf mehr als 20 Prozent. Der gesamte chinesische Pkw-Markt schrumpfte im ersten Halbjahr um 24 Prozent auf 8,3 Millionen Fahrzeuge, verschärft durch zunehmende einheimische Konkurrenz. Die Beratungsgesellschaft AlixPartners erwartet für das Gesamtjahr 2026 einen Rückgang von 10 Prozent für den chinesischen Automarkt.
Zusätzliche Unsicherheit bringt ein juristisches Verfahren in Großbritannien mit sich. Der High Court hat den Großteil der sogenannten Dieselgate-Klagen von 1,6 Millionen britischen Autobesitzern gegen mehrere Hersteller abgewiesen, unter ihnen auch Mercedes. Bei einer spezifischen Abschaltstrategie, die 2015 entfernt wurde, sieht das Gericht jedoch möglicherweise doch eine unzulässige Umgehungssoftware. Ein weiterer Prozess zur Schadenshöhe ist für Oktober 2026 angesetzt, Mercedes prüft nach Gerichtsangaben eine Berufung.
Zwischen Sparprogramm, Produktionsengpässen beim GLC und schwächelndem China-Geschäft dürfte die Berichtssaison Ende Juli zeigen, wie belastbar das operative Geschäft trotz des schwierigen Umfelds bleibt.
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