Mercedes-Benz verschärft den Sparkurs an seinen heimischen Standorten massiv und setzt die Arbeitnehmervertreter unter Druck. Die Unternehmensleitung fordert von der Belegschaft eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden, ohne dafür einen Lohnausgleich zu gewähren.
Sollten Betriebsrat und IG Metall diesem Ultimatum nicht zustimmen, droht der Automobilkonzern mit der Schließung von Werken in Deutschland und einer verstärkten Verlagerung der Produktion nach Osteuropa.
Ultimatum an deutsche Standorte sorgt für Konflikte
Hintergrund dieser harten Forderungen sind die erheblichen Kostennachteile der deutschen Produktion im internationalen Vergleich. Laut Medienberichten liegen die Faktorkosten beispielsweise im ungarischen Werk Kecskemét rund 70 Prozent unter dem Niveau der Bundesrepublik.
Dort wurde die Kapazität jüngst deutlich erweitert. Obwohl eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Standorte eigentlich bis zum Jahr 2035 vereinbart ist, stellt das Management nun den Erhalt der hiesigen Fertigung, Entwicklung und Verwaltung zur Disposition.
Die Arbeitnehmerseite reagiert mit scharfem Widerstand auf die Pläne. Die IG Metall wertet die geforderten fünf unbezahlten Mehrstunden pro Woche als eine effektive Entgeltkürzung um 20 Prozent.
Für den 21. September ist bereits ein Aktionstag geplant, um gegen die drohenden Einschnitte und die mögliche Verlagerung von Kapazitäten zu protestieren. Neben Werksschließungen zieht das Unternehmen auch einen Personalabbau in Erwägung, der über die natürliche Fluktuation hinausgehen könnte.
Wettbewerbsdruck aus China belastet die Strategie
Zusätzlich zu den internen Strukturkonflikten sieht sich Mercedes-Benz mit einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert. Die Analysten von Bernstein Research haben die Einstufung für den Konzern am Mittwoch auf „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 56 Euro belassen. Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist der zunehmende Druck durch neue Wettbewerber aus China, die mit einer aggressiven Preisstrategie in das Premiumsegment drängen.
In einem Gespräch mit Finanzvorstand Harald Wilhelm wurde deutlich, dass diese Konkurrenten verstärkt Marktanteile im Kernsegment der Schwaben angreifen. Während die absolute Oberklasse für chinesische Autobauer noch weitgehend Neuland darstellt, geraten die volumenstärkeren Modellreihen unter Zugzwang.
Um die Rentabilität zu sichern, plant Mercedes unter anderem eine neue Generation der elektrischen A-Klasse mit moderner 800-Volt-Technologie, die jedoch erst für das Jahr 2028 vorgesehen ist.
Quartalszahlen zeigen gemischtes Bild bei Umsatz und Gewinn
Die finanzielle Lage des Konzerns präsentierte sich zuletzt uneinheitlich. Im zweiten Quartal stieg das Ergebnis je Aktie auf 1,14 Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch 0,95 Euro erzielt worden waren. Der Umsatz hingegen ging um gut drei Prozent auf 32,06 Milliarden Euro zurück. Detaillierte Ergebnisse für das dritte Quartal wird das Unternehmen am 28. Oktober veröffentlichen.
An der Börse notiert die Mercedes-Benz-Aktie heute bei 47,10 Euro, was einem leichten Zuwachs von 0,3 Prozent entspricht. Trotz dieser kurzfristigen Stabilisierung bleibt die Performance im laufenden Jahr schwach: Seit Jahresbeginn hat das Papier 22 Prozent an Wert verloren. Anleger beobachten nun genau, ob die angestrebten Kostensenkungen ausreichen, um die Marge angesichts der globalen Absatzschwierigkeiten stabil zu halten.
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