Mercedes-Benz treibt die Trennung vom konzerneigenen Autohandel in Deutschland voran. Nach der im August erteilten Genehmigung der EU-Kommission für den Verkauf von Standorten in Berlin und Brandenburg an die britische Global Auto Holdings bereitet der Konzern den Vollzug bis zum Jahresende vor.

Von der Transaktion sind über 1.100 Mitarbeiter betroffen. Der Schritt ist Teil einer bereits im Jahr 2024 angekündigten Neuordnung, die rund 80 Niederlassungen im Bundesgebiet umfasst.

Mit dem schrittweisen Rückzug aus dem konzerneigenen Vertrieb will sich der Autobauer schlanker aufstellen und Fixkosten senken. Bereits in den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Standorte an selbstständige Händlergruppen übergeben. Das Vorhaben bindet jedoch Managementkapazitäten zu einem Zeitpunkt, an dem das operative Kerngeschäft spürbare Bremsspuren verzeichnet.

Belastungen durch schwächelnden Absatz

Vor allem der asiatische Markt verlangt den Stuttgartern viel ab. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Mercedes-Benz in China einen Rückgang der Auslieferungen um 30 Prozent. Die anhaltende Kaufzurückhaltung veranlasste das Management im Juli dazu, die Jahresprognose anzupassen: Der Konzernumsatz wird seither leicht unter dem Vorjahresniveau erwartet.

Zusätzliche Unruhe brachte Mitte September ein Sicherheitsrückruf für weltweit 23.606 Fahrzeuge der Baureihe GLE aus den Produktionsjahren 2022 bis 2025. Als Grund nannte das Unternehmen ein möglicherweise fehlerhaft montiertes Abschirmblech an der Kraftstoffleitung. In deutschen Werkstätten müssen deswegen knapp 6.800 Fahrzeuge überprüft werden.

Gedämpfte Stimmung am Markt

Auch am Kapitalmarkt bleibt das Umfeld für den DAX-Konzern herausfordernd. Am vergangenen Freitag schloss das Papier mit einem Minus von 3,0 Prozent bei 44,55 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie damit einen Wertverlust von 26 Prozent. Vor rund zwei Wochen startete das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro, um die Aktie zu stützen.

Analysten begleiten die aktuelle Phase mit Zurückhaltung. Die Privatbank Berenberg reduzierte Mitte September ihr Kursziel auf 52 Euro und verwies auf fehlende kurzfristige Impulse für den Titel.

Nach einem Treffen mit Finanzchef Harald Wilhelm bestätigte das Analysehaus Bernstein Research sein Kursziel von 56 Euro. Während die Experten strukturelle Chancen im Export sehen, bleiben die Belastungen auf den internationalen Leitmärkten das dominierende Thema für die Anleger.