Bei Mercedes-Benz haben Beschäftigte heute im Rahmen bundesweiter Warnstreiks zeitweise die Arbeit niedergelegt. Reuters berichtet von Arbeitsniederlegungen am Standort Berlin. Damit steht neben der vorsichtigen Einschätzung des chinesischen Marktes auch der Tarifkonflikt auf der Agenda des Autobauers. Parallel setzt Mercedes-Benz den Rückkauf eigener Aktien fort.

Tarifkonflikt erreicht den Standort Berlin

Die Aktionen gehören zum Arbeitskampf in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Laut Reuters fordert die IG Metall für 3,7 Millionen Beschäftigte 5 % mehr Lohn ab November. Hinzu kommen Maßnahmen zum Schutz von Arbeitsplätzen und Produktionsstandorten sowie Gewinnbeteiligungen in gut laufenden Branchen.

In Berlin-Marienfelde beteiligten sich Beschäftigte an einer Kundgebung auf dem Mercedes-Benz-Werksgelände. Die Warnstreiks folgen auf die gescheiterte zweite Verhandlungsrunde. Der Konflikt betrifft damit nicht allein die Entgelthöhe, sondern auch die Absicherung von Beschäftigung und Standorten.

Die Arbeitgeber bieten eine Einmalzahlung von 1 % im kommenden Juli und 1,3 % mehr Lohn ab Juli 2028. Bei Krisenunternehmen könnte die Einmalzahlung entfallen.

Für Mercedes-Benz bringt der Konflikt einen weiteren Unsicherheitsfaktor. Die Forderungen der Gewerkschaft und das Arbeitgeberangebot liegen sowohl bei der Höhe als auch beim Zeitpunkt der Zahlungen auseinander. Die angebotenen Erhöhungen sind deshalb nicht mit bereits vereinbarten zusätzlichen Personalkosten gleichzusetzen.

Laut IG Metall beteiligten sich heute bundesweit rund 38.000 Beschäftigte an den Warnstreiks. Die Aktionen sollen die ganze Woche weitergehen. Für Freitag ist eine Bilanz angekündigt.

Rückkauf läuft trotz vorsichtigem Geschäftsausblick

Unabhängig vom Tarifkonflikt meldete Mercedes-Benz heute weitere Käufe eigener Aktien. Das Unternehmen erwarb in der vergangenen Woche insgesamt 904.601 Aktien. Die Transaktionen führte ein beauftragtes Kreditinstitut aus.

Der Rückkauf dokumentiert die fortgesetzte Umsetzung des laufenden Programms. Er beantwortet allerdings nicht die Frage, wie sich das operative Geschäft angesichts der Belastungen entwickelt. Für Anleger bleiben Kapitalpolitik und Geschäftsperspektiven deshalb getrennte Bewertungspunkte.

Seit dem Programmstart am 1. September kaufte Mercedes-Benz bis Freitag insgesamt 7.391.990 eigene Aktien zurück. Diese kumulierte Zahl umfasst die jüngsten Wochenkäufe bereits.

Auf der operativen Seite bleibt insbesondere China ein Thema. Im Ergebnisgespräch am Mittwoch bezeichnete CEO Ola Källenius den Markt als zentrale Herausforderung und verwies auf einen zyklischen Abschwung sowie weitere Belastungen. Der fortgesetzte Aktienrückkauf steht somit neben einem vorsichtigen Geschäftsausblick und einem offenen Tarifkonflikt. Keiner dieser beiden Unsicherheitsfaktoren wird durch die Rückkäufe aufgelöst.