Der Facebook-Mutterkonzern führt einem Bericht der New York Times zufolge frühe Gespräche mit Anthropic über ein Leasing-Geschäft für Rechenkapazität im Wert von bis zu 10 Milliarden US-Dollar. Reuters bestätigte die Verhandlungen über eine eigene Quelle. Die Nachricht traf die Aktie am Freitag mitten in einer breiteren Tech-Ausverkaufswelle und sorgte zugleich für Diskussionen über Metas Ambitionen im Cloud-Geschäft.

Zehn Milliarden Dollar über zwei Jahre

Anthropic hat den Deal laut übereinstimmenden Berichten bereits im Juni vorgeschlagen. Vorgesehen sind monatliche Zahlungen über einen Zeitraum von zwei Jahren, wobei beide Seiten die Möglichkeit eines vorzeitigen Ausstiegs behalten sollen. Die Gespräche befinden sich nach Angaben mehrerer Quellen noch in einem frühen Stadium – ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen, konkrete Zahlen gelten als vorläufig. Zum Vergleich: Anthropic hatte im Mai bereits einen deutlich größeren Vertrag mit SpaceX über 45 Milliarden US-Dollar über drei Jahre abgeschlossen, der monatliche Zahlungen von 1,25 Milliarden US-Dollar für Kapazitäten des Colossus-1-Rechenzentrums vorsieht, mit einer 180-tägigen Laufzeit und 90 Tagen Kündigungsfrist. Der mit Meta diskutierte Deal wäre demnach nur rund ein Drittel dieser Größenordnung. Meta-Chef Mark Zuckerberg hatte bereits im Mai erklärt, eine Vermietung von Cloud-Kapazitäten sei „definitiv eine Option“, sollte der Konzern seine Infrastruktur überbauen. Zuletzt sagte er laut Berichten, Unternehmen fragten „fast jede Woche“ an, um Rechenleistung zu kaufen.

Kurs erholt sich nach kräftigem Rückgang

Die Meta-Aktie reagierte am Freitag zunächst deutlich negativer, bevor sie einen Teil der Verluste wieder aufholte – Berichte sprechen von einem zwischenzeitlichen Tagesverlust von bis zu knapp sechs Prozent, während sich das Papier bis zum Handelsende erholte. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 565,10 Euro, ein Minus von 2,67 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht die Aktie dennoch deutlich im Plus: Über die vergangenen 30 Tage legte sie um 14,53 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 677,80 Euro, das am 31. Juli 2025 markiert wurde, fehlen dem Papier aktuell noch 16,63 Prozent.

Kapitalausgaben und Bewertungen im Fokus

Der potenzielle Anthropic-Deal fällt in eine Phase, in der Metas Investitionspläne ohnehin unter Beobachtung stehen. Der Konzern plant für 2026 Kapitalausgaben zwischen 125 und 145 Milliarden US-Dollar, vor allem für den Ausbau von KI-Infrastruktur. Das Analysehaus BMO Capital bestätigte seine Einschätzung „Market Perform“ für die Aktie mit einem Kursziel von 720 US-Dollar, sieht bei Meta aber im Branchenvergleich die geringste Transparenz über den Return on Investment der KI-Ausgaben. Goldman Sachs warnte zudem, die tatsächlichen KI-Kapitalausgaben der Hyperscaler würden am Markt regelmäßig unterschätzt – für 2026 werden branchenweit mehr als 600 Milliarden US-Dollar erwartet.

Parallel treibt Meta den Aufbau einer eigenen Cloud-Sparte voran, intern als „Meta Compute“ bezeichnet und an AWS angelehnt. Der Konzern hat dafür den früheren AWS-Manager Dave Brown verpflichtet. Das Rechenzentrums-Projekt Hyperion in Louisiana, in das Meta bereits mehr als 50 Milliarden US-Dollar investiert hat, wird auf eine Kapazität von 5 Gigawatt ausgebaut, ursprünglich waren 2 Gigawatt geplant. Bis 2027 strebt Meta insgesamt 14 Gigawatt Rechenkapazität an. Ab September soll zudem der selbst entwickelte KI-Chip „Iris“ gemeinsam mit Broadcom und TSMC gefertigt werden. Im eigenen Sprachmodell-Geschäft positioniert sich Meta mit Muse Spark 1.1 als preisgünstigere Alternative zu Anthropics Claude-Modellen – nach eigenen Angaben rund 75 Prozent günstiger.

Entlassungen und Termine im Blick

Belastend wirkt daneben ein laufender Stellenabbau: Meta strich rund 8.000 Positionen, etwa zehn Prozent der Belegschaft. Ein Richter lehnte kürzlich einen Antrag von 26 betroffenen Mitarbeitern ab, die Kündigungen per Eilantrag zu stoppen; die Entlassungen sollen am 22. Juli wirksam werden. Die Kläger werfen dem Konzern algorithmusbasierte Diskriminierung vor, Meta bestreitet die Vorwürfe und verweist auf menschliche Entscheidungsprozesse. Anleger richten den Blick nun auf den 29. Juli, wenn Meta seine Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 vorlegt – dann dürfte sich zeigen, wie belastbar die Wachstumsstory hinter den milliardenschweren Infrastrukturwetten tatsächlich ist.