Meta will sich unabhängiger von Nvidia und AMD machen. Ab September soll der hauseigene KI-Chip „Iris“ in Serie gefertigt werden — ein Baustein in einer Investitionsoffensive, die längst über einzelne Prozessoren hinausgeht.
Der eigene Chip als Kostenhebel
„Iris“ ist Teil eines Vier-Generationen-Projekts namens MTIA, kurz für Meta Training and Inference Accelerators. Der Chip soll die KI-Systeme hinter Facebook und Instagram beschleunigen und gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Zulieferern verringern. Der Hintergrund: Meta steckt rund 145 Milliarden Dollar in seine KI-Infrastruktur — eine Summe, die sich nur durch niedrigere Stückkosten pro Rechenleistung dauerhaft rechtfertigen lässt.
Passend dazu meldete der Konzern eine weitere Großinvestition in Kanada. In Sturgeon County, Alberta, entsteht für rund 13 Milliarden kanadische Dollar das erste Rechenzentrum des Landes, das speziell auf KI-Workloads ausgelegt ist. Es ist das 33. Rechenzentrum im globalen Meta-Netzwerk und soll in der Bauspitze über 3.000 Arbeiter beschäftigen. Zusätzlich fließen rund 60 Millionen kanadische Dollar in lokale Infrastruktur und gemeinnützige Projekte der Region.
Muse Spark tritt gegen OpenAI und Anthropic an
Parallel zur Hardware-Offensive schärft Meta sein Softwareangebot. Mit Muse Spark 1.1 öffnete der Konzern diese Woche den Entwicklerzugang zu seinem bislang leistungsfähigsten Modell für Coding- und Agenten-Aufgaben — nur drei Monate nach dem ersten Muse-Spark-Release unter KI-Chef Alexandr Wang. Die Preisgestaltung liegt bei 1,25 Dollar je Million Input-Token und 4,25 Dollar je Million Output-Token, neue Entwicklerkonten erhalten 20 Dollar Startguthaben.
Damit positioniert sich Meta bewusst zwischen den Billigmodellen von OpenAI und den teureren High-End-Varianten von Anthropic. Wang bezeichnete die Preisstruktur selbst als „sehr aggressiv“ im Vergleich zur Konkurrenz. Der Schritt markiert einen Kurswechsel: Statt wie bisher primär auf offene Llama-Modelle zu setzen, verkauft Meta nun gezielt Zugang zu proprietärer Technologie — ein Modell, mit dem sich die milliardenschweren Infrastrukturausgaben langfristig refinanzieren lassen sollen.
Auf Wall-Street-Seite wächst der Druck, diese Investitionen in konkrete Erträge zu übersetzen. Meta gibt in der Größenordnung der übrigen Hyperscaler aus, verfügt aber anders als Amazon oder Microsoft über kein eigenes Cloud-Geschäft, mit dem sich die Kosten querfinanzieren ließen.
Der Chip „Iris“ soll im September in Produktion gehen. Ob er die Marge spürbar entlastet, dürfte sich frühestens in den Zahlen für das vierte Quartal ablesen lassen.
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