Ein KI-Assistent für den Hausgebrauch, der nebenbei ganze Branchen ins Wanken bringt — genau das passiert gerade mit Metas Muse. Was als Konsumenten-Feature gedacht war, entwickelt sich zum handfesten Problem für die klassische Finanzbranche. Broker-Aktien wie Charles Schwab gerieten unter Druck, während Meta selbst am Mittwochabend zur Entwicklerkonferenz Connect lädt.

Broker zittern vor der KI-Konkurrenz

Die Sorge der Anleger: Muse könnte klassischen Finanzdienstleistern das Geschäft streitig machen. Schwab-Aktien fielen deutlich und markierten den tiefsten Stand seit Anfang Juli — das Papier liegt seit der Muse-Ankündigung mehr als acht Prozent im Minus. Auch Vermögensverwalter wie LPL Financial und Raymond James gerieten in Mitleidenschaft, der Finanzsektor-ETF XLF büßte in der Spitze sechs Prozent seit den Höchstständen dieses Monats ein.

Robinhood dagegen profitierte von der Entwicklung und markierte ein neues Jahreshoch. Die Optionsmärkte spiegeln die gespaltene Stimmung: Bei Schwab dominierten Put-Käufe deutlich, bei Robinhood setzten Trader klar auf steigende Kurse.

Meta selbst betont, Muse handle nicht eigenständig und gebe keine Finanzberatung — der Assistent könne aber Investments verfolgen und Portfolios analysieren, was in der Branche als Basis für weitreichendere Ambitionen gewertet wird.

Kritisch wird zudem eine interne Diskrepanz diskutiert: Während Muse KI-gestützte Telefonate für Nutzer versprechen soll, deutet interne Kommunikation darauf hin, dass in der Praxis eher Call-Center-Mitarbeiter die Anrufe übernehmen. Das nährt Zweifel daran, wie ausgereift die Technologie tatsächlich ist.

Connect-Konferenz mit neuer Hardware

Parallel zum Muse-Trubel richtet sich der Blick auf die Connect-Konferenz am Mittwochabend um 19 Uhr. Erwartet werden neue Smart-Glasses-Modelle, darunter offenbar erstmals eine Version ohne Kamera — eine Reaktion auf wachsende Datenschutzbedenken.

Die bisherigen, gemeinsam mit EssilorLuxottica entwickelten Brillen verkauften sich zuletzt mit mehr als sieben Millionen Stück und sicherten Meta eine dominante Marktstellung gegenüber chinesischen Anbietern wie RayNeo und Xiaomi.

Die kamerafreie Variante ist auch eine Reaktion auf rechtlichen Gegenwind: Eine Sammelklage in Kalifornien wirft Meta vor, Nutzer über den Datenschutz getäuscht zu haben. Ob der Verzicht auf die Kamera die Kritik entschärft, bezweifeln manche Marktbeobachter — schließlich zählt die Foto- und Videofunktion zu den beliebtesten Eigenschaften der Geräte. Zusätzlich soll eine neue, leichtere Augmented-Reality-Brille vorgestellt werden.

Für Meta-Anleger bündeln sich damit zwei Erzählstränge: der disruptive Charakter von Muse für angrenzende Branchen und die Frage, ob die neue Hardware-Generation den Wettbewerbsvorsprung im Brillenmarkt festigen kann. Die Reaktionen auf der Connect-Konferenz am Abend dürften erste Hinweise liefern, wie das Unternehmen beide Baustellen zusammenführt.