Micron greift tief in die Tasche. Der Speicherchip-Hersteller investiert bis zu drei Milliarden Dollar in die US-Lieferkette für Halbleiter. Der Grund: Die Nachfrage nach KI-Speicherchips wächst schneller, als Micron liefern kann.

Kernstück des Plans ist eine Finanzierung über 500 Millionen Dollar für GlobalWafers. Der taiwanesische Wafer-Hersteller baut damit seine Fabrik für 300-Millimeter-Siliziumscheiben in Sherman, Texas, weiter aus. Im Gegenzug sichert sich Micron einen Liefervertrag über zehn Jahre.

Diese Rohsilizium-Scheiben bilden die Grundlage für moderne Speicherchips. Ohne verlässlichen Nachschub drohen Engpässe – gerade jetzt, wo die Nachfrage nach KI-Speicher und Logikchips durch die Decke geht.

Sieben neue Autozulieferer an Bord

Die Wafer-Investition ist nicht die einzige Baustelle. Micron hat binnen weniger Tage sieben strategische Lieferverträge mit Autozulieferern abgeschlossen: Qualcomm, Visteon, HARMAN, JOYNEXT, DENSO, Astemo und Hyundai Mobis.

Die Verträge sichern den Partnern langfristigen Zugang zu Microns Speicherlösungen für zunehmend KI-gestützte Fahrzeuge. Damit wächst die Gesamtzahl der strategischen Kundenverträge auf 16 – zuvor hatte Micron bereits Abkommen mit Ford und General Motors geschlossen. Nach Unternehmensangaben schaffen diese Verträge mehr Planungssicherheit für die Produktion und legen Preise über lange Laufzeiten fest.

HBM-Speicher bis Ende 2026 ausverkauft

Die Verträge und Investitionen fallen in eine Phase spürbarer Kapazitätsengpässe. CEO Sanjay Mehrotra hat klargestellt: Der High-Bandwidth-Memory-Speicher (HBM) ist bis zum Ende des Kalenderjahres 2026 praktisch komplett verkauft.

Im dritten Geschäftsquartal 2026 erzielte Micron einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar. Für das vierte Geschäftsquartal peilt der Konzern rund 50 Milliarden Dollar an – getrieben von der anhaltenden Nachfrage nach KI-Speicherprodukten. Die Milliarden-Investition in die US-Lieferkette soll dieses Wachstum absichern.

An der Börse zeigt sich diese Wachstumsstory zuletzt gespalten. Die Aktie hat sich binnen zwölf Monaten mehr als versiebenfacht, notiert aber rund 32 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 1.103,80 Euro aus dem Juni. Der jüngste Rückgang um knapp 25 Prozent in einem Monat zeigt: Selbst bei einem praktisch ausverkauften Produkt bleibt Volatilität ein ständiger Begleiter.

Für Micron zählt jetzt vor allem eines: die eigene Lieferkette so abzusichern, dass die Wachstumsprognose für das laufende Geschäftsjahr auch tatsächlich Realität wird. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob die milliardenschweren Vorleistungen bei GlobalWafers und den Automobilzulieferern sich in der Bilanz niederschlagen.