Barclays hat sein Kursziel für Micron Technology mehr als verdoppelt — von 675 auf 1.175 Dollar — und hält an der Übergewichten-Einstufung fest. Der entscheidende Grund ist kein kurzfristiger KI-Hype, sondern ein struktureller Wandel im Geschäftsmodell: Micron verabschiedet sich von volatilen Jahresverträgen und bewegt sich auf mehrjährige Kundenvereinbarungen zu.

Fünf-Jahres-Vertrag als Wendepunkt

Bislang war das Speicherchip-Geschäft von Micron geprägt durch einjährige Abnahmekontrakte mit quartalsweise neu verhandelten Preisen. Barclays-Analyst Tom O’Malley sieht in der ersten sogenannten Strategic Customer Agreement über fünf Jahre einen Paradigmenwechsel: feste Volumina über mehrere Jahre, statt ständig neu ausgehandelter Konditionen. Das reduziert die historisch hohe Ergebnisvolatilität des Unternehmens erheblich.

O’Malley stuft Speicher und Storage als das „attraktivste Segment unterhalb der Beschleuniger-Chips“ im gesamten Halbleitersektor ein. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage soll laut seiner Einschätzung bis 2027 anhalten — was weiteren Preisauftrieb bei DRAM und NAND begünstigt.

Zahlen, die den Optimismus untermauern

Microns Zahlen für das zweite Fiskalquartal 2026 liefern die fundamentale Grundlage für diese Neubewertung. Der Umsatz kletterte auf 23,86 Milliarden Dollar — mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Das Non-GAAP-Nettoergebnis betrug 14,02 Milliarden Dollar, entsprechend 12,20 Dollar je verwässerter Aktie.

Für das dritte Fiskalquartal erwartet das Management einen Umsatz von 33,5 Milliarden Dollar — das wäre mehr als der Jahresumsatz jedes einzelnen Geschäftsjahres bis einschließlich 2024. Die Bruttomarge soll dabei rund 81 Prozent erreichen, ein Wert, der die Preissetzungsmacht im aktuellen Marktumfeld deutlich unterstreicht.

Zweites großes Kursziel innerhalb von 48 Stunden

Barclays ist nicht allein. UBS hatte bereits am 26. Mai sein Kursziel von 535 auf 1.625 Dollar angehoben — das laut Reuters höchste Ziel unter 46 Analysten, die die Aktie beobachten. Auch UBS begründete den Schritt mit stärkerer KI-Nachfrage und langfristigen Liefervereinbarungen als Stabilisierungsfaktor.

Die Aktie reagierte entsprechend: Mit einem Plus von rund 197 Prozent seit Jahresbeginn und einem 30-Tage-Anstieg von über 85 Prozent notiert sie auf einem 52-Wochen-Hoch. Der Kurs liegt inzwischen fast 75 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt — ein Zeichen dafür, wie abrupt die Neubewertung eingesetzt hat.

Der nächste Katalysator dürfte die Frage sein, wie viele weitere Strategic Customer Agreements Micron in den kommenden Quartalen bekannt gibt — und welche Details zu Volumen, Preismechanismen und möglichen Vorauszahlungen dabei ans Licht kommen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob der Wandel vom Zykliker zum vertragsgestützten KI-Zulieferer wirklich trägt.