Micron hat sich am Donnerstag von den schwachen Tech-Zahlen des Vortages abgekoppelt. Während Alphabet und Tesla nach ihren Quartalsberichten unter Druck gerieten, zog die Speicherchip-Aktie kräftig an – getragen von einer Zusage des eigenen Kunden Tesla und einer massiv angehobenen Investitionsprognose von Alphabet.
Kurserholung nach turbulenten Wochen
Micron notiert aktuell bei 867,70 Euro und legt damit 3,32 Prozent zu. Der Titel bewegt sich damit wieder oberhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 839,31 Euro, von dem er 3,38 Prozent entfernt liegt. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, erreicht am 25. Juni 2026, fehlen der Aktie allerdings noch 21,39 Prozent. Die jüngste Erholung folgt auf einen Kursrücksetzer, den Marktbeobachter zuletzt mit rund neun Prozent bezifferten – ausgelöst durch allgemeine Zurückhaltung gegenüber Halbleiterwerten trotz unverändert angespannter Lieferlage bei Speicherchips.
Tesla sichert sich Micron-Kapazität – und baut parallel eine eigene Fab
Auf dem Quartalscall bedankte sich Tesla-Chef Elon Musk ausdrücklich bei Micron für eine „signifikante“ Speicherchip-Zuteilung zu aus seiner Sicht vernünftigen Konditionen und mit über Jahre gesicherter Kapazität. Die Chips sollen laut Musk unter anderem den Bedarf für KI-Anwendungen, autonomes Fahren und den Optimus-Roboter decken. Bemerkenswert: Tesla zählt bislang nicht zu den zehn größten Kunden von Micron. Musk kommentierte die Preisentwicklung bei Speicherchips als „ziemlich verrückt“ und kündigte zugleich an, mit Tesla und SpaceX eine eigene Chipfabrik namens Terafab am Standort Giga Texas aufzubauen, an der auch Intel beteiligt ist. Für die erste Ausbaustufe kalkuliert Tesla mit einer Anfangsinvestition von 55 Milliarden US-Dollar, über alle Ausbaustufen hinweg könnten bis zu 119 Milliarden US-Dollar investiert werden. Musk begründete den Schritt damit, dass die Industrie insgesamt nicht schnell genug wachse, um den Bedarf von Tesla zu decken. Die Micron-Aktie legte im nachbörslichen Handel um 2,5 Prozent zu, während Tesla nach schwachen Quartalszahlen rund vier Prozent verlor.
Alphabets Investitionsschub treibt die gesamte Speicherchip-Branche
Noch stärker wirkte die Nachricht von Alphabet: Der Google-Mutterkonzern hob seine Investitionsprognose für 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden auf nun 195 bis 205 Milliarden US-Dollar an. Google Cloud steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Finanzchefin Anat Ashkenazi erklärte, das Angebot könne mit der Nachfrage nicht Schritt halten – sie deutete bereits noch größere Investitionen für 2027 an. Die Aussage befeuerte die gesamte Speicherchip-Branche: Neben Micron legte auch die US-Notierung von SK Hynix deutlich zu, während der Nasdaq insgesamt wegen der enttäuschenden Free-Cashflow-Entwicklung bei Alphabet und Tesla nachgab. Morgan-Stanley-Stratege Andrew Slimmon verwies darauf, dass Speicher und Rechenleistung knapp blieben und der Ausbau der KI-Infrastruktur noch am Anfang stehe.
Starkes Quartal und optimistische Analysten
Der Rückenwind trifft auf ein Unternehmen, das erst wenige Tage zuvor außergewöhnliche Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Im dritten Geschäftsquartal des laufenden Fiskaljahres steigerte Micron den Umsatz auf 41,46 Milliarden US-Dollar und übertraf den Konsens damit um 17,6 Prozent. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 25,11 US-Dollar gegenüber einer Erwartung von 20,28 US-Dollar, die GAAP-Bruttomarge kletterte von 37,7 auf 84,6 Prozent. Micron hatte zudem rund 22 Milliarden US-Dollar an langfristigen Lieferverträgen unterzeichnet, teilweise mit Preisuntergrenzen – nach Unternehmensangaben stammen inzwischen rund 40 Prozent des Umsatzes aus solchen Vereinbarungen. Bank of America nahm Micron in ihre „US 1 List“ auf und nannte ein Kursziel von 1.550 US-Dollar, UBS hatte sein Kursziel zuvor auf 1.625 US-Dollar angehoben. Der taiwanische Speicherhersteller Nanya Technology bezifferte den globalen Speichermarkt für 2026 auf ein Rekordvolumen von 800 Milliarden US-Dollar, was fast der Hälfte des gesamten Halbleiterumsatzes entspräche – ein Umfeld, in dem Analysten Micron als einen der Hauptprofiteure sehen.
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